Sicherheit und Datenschutz

Beweise sichern, bevor der Betrüger alles löscht

Gefälschte Inserate verschwinden binnen Stunden. Was du in welcher Reihenfolge sicherst, damit Bank, Portal und Polizei damit etwas anfangen können.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Wer merkt, dass er betrogen wurde, macht fast immer dasselbe: schreiben. Eine wütende Nachricht, eine Frist, eine Drohung mit der Polizei. Verständlich — und der teuerste Fehler in dieser Stunde.

Denn damit weiß die Gegenseite, dass sie aufgeflogen ist. Und das Erste, was dann passiert, ist Löschen: Inserat weg, Profil weg, Chat weg, Nummer abgeschaltet. Mit dem Inserat verschwindet der einzige Beleg dafür, dass es dieses Angebot je gegeben hat.

Die Reihenfolge lautet deshalb: erst sichern, dann handeln. Die halbe Stunde, die das kostet, entscheidet darüber, ob deine Anzeige ein Vorgang wird oder ein Zettel.

Smartphone dokumentiert eine Stelle aus kurzer Distanz, Sinnbild für Beweise sichern bei Wohnungsbetrug
Was du jetzt nicht speicherst, ist in ein paar Stunden nicht mehr da.

Warum Beweise so schnell verschwinden

Ein gefälschtes Inserat ist ein Wegwerfprodukt. Es läuft ein paar Tage, sammelt Anfragen und wird dann gelöscht — oft vom Portal selbst, nachdem der erste Nutzer es gemeldet hat. Nachrichten in Portal-Postfächern sind an das Inserat gekoppelt und sind mit ihm häufig ebenfalls fort.

Messenger sind noch schlechter. Nachrichten lassen sich nachträglich für alle löschen, Profile verschwinden, Nummern werden gewechselt. Was du nicht bei dir gespeichert hast, hast du in ein paar Stunden nicht mehr.

Was du sicherst, und zwar alles

  • Das komplette Inserat mit Bildern, Preis, Beschreibung, Anbietername und Inseratsnummer
  • Alle Nachrichten in voller Länge, von der ersten bis zur letzten — nicht nur die entscheidende Stelle
  • Mails als Datei, nicht als Bildschirmfoto, weil dort auch die technischen Absenderangaben stecken
  • Telefonnummern, Mailadressen, Profilnamen und Profilbilder der Gegenseite
  • Kontodaten: IBAN, Name des Kontoinhabers, Bank, Verwendungszweck
  • Den Zahlungsbeleg oder die Umsatzzeile aus dem Konto, als Datei
  • Alle Dokumente, die dir geschickt wurden: angeblicher Mietvertrag, Ausweisfoto, Exposé
  • Die Adresse der Wohnung und eigene Fotos vom Haus, falls du dort warst
  • Namen und Kontakte von Zeugen, etwa Begleitpersonen bei der Besichtigung

Ein Punkt wird fast immer vergessen: Wenn dir ein Mietvertrag oder ein Ausweis geschickt wurde, sind das eigenständige Beweismittel. Was an solchen Vertragsentwürfen typischerweise auffällt, steht in Der gefälschte Mietvertrag.

So sicherst du richtig

Laptop mit geöffnetem Wohnungsinserat beim Sichern von Beweisen nach einem Wohnungsbetrug
Die Seite als PDF speichern. Darin stehen Adresse, Datum und Uhrzeit.
  1. Zuerst das Inserat. Öffne es und speichere die Seite als PDF — auf dem Rechner über die Druckfunktion mit dem Ziel „Als PDF speichern“. Dabei bleiben Adresse der Seite, Datum und Uhrzeit erhalten. Das kann ein Bildschirmfoto nicht.
  2. Zusätzlich Bildschirmfotos vom Inserat, damit die Bilder in voller Größe erhalten bleiben.
  3. Chatverläufe exportieren. Die meisten Messenger haben eine Funktion dafür, oft unter „Chat exportieren“ in den Einstellungen des Gesprächs. Sonst scrollst du von oben nach unten und machst überlappende Bildschirmfotos.
  4. Mails weiterleiten an deine eigene Zweitadresse und zusätzlich als Datei speichern. Lösch nichts, auch keine vermeintlich unwichtige Bestätigungsmail.
  5. Kontoauszug erzeugen, als PDF aus dem Onlinebanking, nicht als Foto vom Bildschirm.
  6. Alles in einen Ordner mit Datum im Namen, zusätzlich als Kopie an einen zweiten Ort. Ein verlorenes Handy darf nicht das Ende des Verfahrens sein.
  7. Eine Seite Chronologie schreiben: Datum, Uhrzeit, was passiert ist. Diese eine Seite ist bei der Anzeige mehr wert als der ganze Rest, weil sie den Ablauf erklärt.
Erst nach dem Sichern

Jetzt erst schreibst du die Gegenseite an, meldest das Inserat beim Portal oder erstattest Anzeige. Vorher nicht. Ein einziger Satz zu früh, und die Spur ist kalt.

Die Angaben, die alle brauchen und keiner notiert

Bank, Portal und Polizei stellen am Ende dieselben Fragen. Wer sie beantworten kann, kommt weiter; wer sagt „das stand irgendwo im Chat“, nicht.

  • Die IBAN und der genaue Name des Kontoinhabers. Das ist die wichtigste Einzelangabe überhaupt, weil sie als einzige zu einer realen Person führt.
  • Datum und Uhrzeit von Zahlung und erster Kontaktaufnahme.
  • Die Inseratsnummer und das Portal, über das der Kontakt lief.
  • Die genaue Wohnungsadresse aus dem Angebot.
  • Welche Unterlagen du herausgegeben hast. Diese Liste brauchst du auch für dich selbst, um die Folgen einzuschätzen.

Wenn du nur noch Bruchstücke hast

Oft merkt man es erst Tage später, und da ist schon vieles weg. Das ist kein Grund aufzugeben — es bleibt mehr übrig, als man denkt.

Der Kontoauszug ist bei deiner Bank vorhanden, unabhängig davon, was die Gegenseite gelöscht hat. Gelöschte Mails liegen meist noch im Papierkorb des Postfachs. Manche Portale können auf Anfrage der Ermittlungsbehörde Daten zu einem gelöschten Inserat herausgeben, wenn sie rechtzeitig gefragt werden — auch deshalb lohnt sich eine schnelle Anzeige.

Und die Inseratsnummer findest du oft noch in deiner eigenen Mailbestätigung über die versendete Anfrage. Wer alle Bewerbungen ohnehin in einer einfachen Liste führt, hat diese Angaben sowieso. Eine fertige Übersicht dafür, zusammen mit den Anschreiben, steckt in den Zusage-Vorlagen für 19 Euro.

Wohin die gesicherten Unterlagen gehen

Der gesicherte Ordner wird an drei Stellen gebraucht: bei der Bank für den Rückruf der Zahlung, beim Portal für die Sperrung des Inserats und bei der Polizei für die Anzeige. Wie die Anzeige abläuft und was hineingehört, steht in Anzeige wegen Wohnungsbetrug erstatten. Was beim Geld selbst geht, steht in Geld zurückholen, nachdem du überwiesen hast.

Geschlossene Dokumentenmappe in einer Schublade mit gesicherten Beweisen zum Wohnungsbetrug
Den Ordner behalten. Verfahren werden manchmal Monate später zusammengeführt.

Behalte den Ordner auch dann, wenn zunächst nichts passiert. Verfahren werden manchmal Monate später zusammengeführt, und dann fragt jemand nach genau diesen Dateien.

Kurz zusammengefasst

  • Erst sichern, dann handeln. Ein wütender Satz zu früh, und alles ist gelöscht.
  • Inserat als PDF speichern, nicht nur als Bildschirmfoto — nur so bleiben Adresse und Zeitpunkt erhalten.
  • Chats exportieren, Mails als Datei sichern, Kontoauszug als PDF ziehen.
  • IBAN und Name des Kontoinhabers sind die wichtigste Einzelangabe des ganzen Falls.
  • Eine Seite Chronologie mit Datum und Uhrzeit schreiben und alles doppelt ablegen.
Zum Einordnen

Dieser Text beschreibt allgemeine Abläufe und typische Regeln am Mietmarkt. Er bewertet keinen Einzelfall. Wenn es bei dir um konkrete Ansprüche geht, lass das von einer Anwältin oder einem Anwalt oder von einem Mieterverein prüfen.

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