Du hast überwiesen und wurdest betrogen: Sofortmaßnahmen
Die ersten Stunden entscheiden, ob Geld noch aufzuhalten ist. Hier steht die Reihenfolge — Bank, Beweise, Anzeige, Daten — ohne Schuldzuweisung.
Das Geld ist raus. Die Nummer geht nicht mehr. Die Mails kommen zurück. Und in deinem Kopf läuft die Frage in Schleife, wie du das übersehen konntest.
Diese Frage hilft dir gerade nicht. Was jetzt hilft, ist eine Reihenfolge, die du abarbeitest, auch wenn du schlecht schläfst. Betrugsmaschen sind darauf ausgelegt, dass kluge Menschen darauf hereinfallen — genau dann, wenn sie unter Druck stehen und etwas dringend brauchen. Du bist nicht dumm. Du warst dran.

Die erste Stunde: die Bank
Das ist der einzige Schritt, bei dem Minuten zählen.
- Ruf deine Bank an. Nicht mailen, nicht ins Postfach schreiben, anrufen. Die meisten Banken haben eine Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist.
- Sag klar, worum es geht: „Ich bin Opfer eines Betrugs geworden und möchte eine Überweisung zurückrufen.“ Nenne Betrag, Datum, Uhrzeit und Empfänger.
- Frag ausdrücklich nach einem Überweisungsrückruf. Solange die Zahlung nicht endgültig beim Empfänger gebucht ist, besteht eine Chance. Bei einer Echtzeitüberweisung ist dieses Fenster sehr klein.
- Bitte die Bank, die Empfängerbank zu informieren. Viele Empfängerkonten gehören Mittelsleuten. Wenn dort schnell gemeldet wird, wird das Konto manchmal eingefroren.
- Lass dir alles bestätigen. Uhrzeit des Anrufs, Name des Mitarbeiters, Vorgangsnummer. Schreib es auf.
Hast du mit Karte gezahlt oder über einen Bezahldienst, melde den Fall zusätzlich dort und frag nach dem Käuferschutz oder einer Rückbuchung. Bei Bargeldtransferdiensten und Gutscheinkarten ruf trotzdem sofort an — manchmal ist die Abholung noch nicht erfolgt.
Zahl kein zweites Mal. Nicht für angebliche Gebühren, nicht für eine Rückabwicklung, nicht an jemanden, der verspricht, dein Geld wiederzubeschaffen. Die zweite Welle ist ein eigenes Geschäftsmodell und trifft fast nur Menschen, die schon einmal gezahlt haben.
Die ersten Stunden: Beweise sichern
Täter löschen Profile, Inserate und Chatverläufe. Sichere alles, bevor es verschwindet.

- Screenshots des Inserats, mit Datum und sichtbarer Adresszeile.
- Den vollständigen Chat- oder Mailverlauf. Bei Mails auch die technischen Kopfzeilen, oft unter „Original anzeigen“.
- Alle Dokumente, die du bekommen hast: Vertrag, Ausweisscan, Rechnungen, Zahlungsaufforderungen.
- Die Zahlungsdaten: Empfängername, IBAN, Betrag, Datum, Uhrzeit, Verwendungszweck, Referenznummer.
- Telefonnummern, Mailadressen, Profilnamen, Links.
- Den Überweisungsbeleg aus deinem Onlinebanking als PDF.
Leg alles in einen einzigen Ordner und benenne die Dateien nach Datum. Das klingt pedantisch, spart dir aber bei der Anzeige eine Menge Zeit.
Tag eins: Anzeige erstatten
Eine Anzeige kostet nichts und geht bei jeder Polizeidienststelle. Fast alle Bundesländer haben außerdem eine Onlinewache, über die du den Fall von zu Hause aus melden kannst. Was du dort genau angibst und wie es danach weitergeht, steht in Anzeige wegen Wohnungsbetrug erstatten.
Warum das auch dann sinnvoll ist, wenn du dein Geld für verloren hältst: Die Kontodaten, Nummern und Profile tauchen bei anderen Fällen wieder auf. Erst die Summe mehrerer Anzeigen macht ein Muster sichtbar. Außerdem brauchst du das Aktenzeichen für Bank, Versicherung und Portal.
Tag eins: melden, wo es noch wirkt
- Beim Portal. Melde das Inserat und schildere kurz, was passiert ist. Portale sperren Konten und sichern Daten, die später relevant sein können.
- Bei deiner Bank schriftlich. Auch wenn du telefoniert hast, schick den Sachverhalt noch einmal schriftlich hinterher.
- Bei der Verbraucherzentrale. Dort werden Maschen gesammelt und ausgewertet. Viele Verbraucherzentralen beraten auch bei der weiteren Vorgehensweise.
Wenn du persönliche Daten herausgegeben hast
Oft ist nicht nur Geld weg, sondern auch Unterlagen sind unterwegs. Das ist der zweite Schaden, und er läuft langsamer.
- Zusammenschreiben, was raus ist. Ausweiskopie, Gehaltsnachweise, Kontoauszüge, Bonitätsauskunft, Arbeitsvertrag, Geburtsdatum, Anschrift.
- Bei einer Ausweiskopie besonders wachsam sein. Mit diesen Daten können Bestellungen und Verträge in deinem Namen versucht werden. Melde das in der Anzeige ausdrücklich mit.
- Kontoauszüge im Blick behalten. Prüfe in den nächsten Wochen häufiger als sonst, ob Abbuchungen auftauchen, die du nicht kennst.
- Eigene Auskunft einholen. Du kannst bei Auskunfteien kostenlos nachsehen, welche Daten über dich gespeichert sind, und so bemerken, wenn in deinem Namen Verträge abgeschlossen wurden. Wie das geht, steht in Die kostenlose Datenkopie.
- Passwörter ändern. Falls du irgendwo Zugangsdaten eingegeben hast, sofort und überall dort, wo du dasselbe Passwort benutzt.
Wo du Unterstützung bekommst
Du musst das nicht allein sortieren. Es gibt Stellen, die genau dafür da sind:
- Verbraucherzentralen. Sie beraten zu Betrugsmaschen, sammeln Fälle und wissen, welche Varianten gerade laufen.
- Opferhilfeorganisationen. Sie unterstützen kostenlos und vertraulich und kommen auf Wunsch mit zur Polizei.
- Deine Rechtsschutzversicherung, falls du eine hast. Frag nach, bevor du eigene Schritte einleitest.
- Eine Anwältin oder ein Anwalt, wenn es um die Frage geht, ob du Ansprüche hast. Das kann dir niemand anderes beantworten, weil es auf deinen Einzelfall ankommt.
Sprich außerdem mit jemandem, dem du vertraust. Scham ist bei dieser Art von Betrug der häufigste Grund, warum Fälle nie gemeldet werden — und damit der beste Verbündete der Täter.
Und dann: weiterhin Wohnung suchen
Das klingt hart, ist aber wichtig. Viele hören nach so einem Erlebnis auf, überhaupt noch auf Inserate zu antworten. Dabei bleibt die Kündigungsfrist, wo sie ist.
Nimm die Regel mit, die den Schaden beim nächsten Mal von vornherein verhindert: kein Geld vor Besichtigung und Vertrag. Die Warnsignale, an denen du eine Masche früh siehst, stehen in Wohnungsbetrug erkennen.
Kurz zusammengefasst
- Zuerst die Bank anrufen und nach einem Überweisungsrückruf fragen. Hier zählen Minuten.
- Alles sichern, bevor Profile und Chats gelöscht werden.
- Anzeige erstatten, auch wenn das Geld verloren scheint. Das Aktenzeichen brauchst du.
- Nie ein zweites Mal zahlen, egal mit welcher Begründung.
- Herausgegebene Daten getrennt behandeln: Konto beobachten, Auskunft einholen, Passwörter ändern.
Dieser Text erklärt allgemeine Abläufe und Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.
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