Die Vorkasse-Masche: warum du nie vor der Besichtigung zahlst
Reservierungsgebühr, Vorabkaution, Besichtigungsgebühr: alle Varianten derselben Masche — und die eine Regel, die sie alle aushebelt.
Es klingt nie nach Betrug. Es klingt nach Organisation.
Der Vermieter hat vierzig Anfragen. Damit er nicht jedem die Wohnung zeigen muss, nimmt er eine kleine Reservierungsgebühr. 250 Euro. Die wird natürlich mit der ersten Miete verrechnet. Und wenn du es dir anders überlegst, bekommst du sie selbstverständlich zurück.
Das ist die Masche. Nicht die plumpe mit dem Prinzen aus dem Ausland, sondern die mit dem vernünftigen Klang.

Warum diese Variante so gut funktioniert
Weil sie eine echte Not aufgreift. Du weißt selbst, dass Vermieter überrannt werden. Du hast selbst schon gedacht, dass es doch irgendeinen Weg geben muss, sich von den anderen abzuheben. Und jetzt bietet dir jemand genau das an: einen Vorsprung gegen Geld.
Dazu kommt, dass die Summen klein gehalten werden. 200 bis 500 Euro tun weh, aber sie sind nicht so groß, dass du sofort misstrauisch wirst. Und genau darauf ist die Masche ausgelegt: klein genug, dass du zahlst, groß genug, dass es sich lohnt.
Die Varianten, die alle dasselbe wollen
- Reservierungsgebühr. Damit die Wohnung dir sicher ist, bis der Vertrag unterschrieben wird.
- Besichtigungsgebühr. Angeblich, um Termintouristen abzuhalten.
- Bearbeitungsgebühr für die Bonitätsprüfung. Klingt nach Verwaltung, ist aber nur ein Grund für eine Überweisung.
- Kaution vorab. Damit der Vermieter sieht, dass du zahlungsfähig bist.
- Erste Miete vorab. Weil der Vermieter angeblich schon an einen anderen Interessenten gebunden ist und einen Ausgleich braucht.
- Schlüsselversandkosten. Der eigene Klassiker, ausführlich in Schlüssel gegen Vorauszahlung per Post.
- Treuhandgebühr. Angeblich sicher, weil das Geld zwischengeparkt wird. Warum das nicht stimmt, steht in angebliche Treuhandservices bei Wohnungen.
- Nachweis der Zahlungsfähigkeit. Du sollst Geld auf dein eigenes Konto legen und einen Kontoauszug schicken. Klingt harmlos, liefert aber einen kompletten Kontoauszug an Fremde.
Die eine Regel
Vor der Besichtigung fließt nie Geld. Nach der Besichtigung fließt Geld erst, wenn ein von beiden Seiten unterschriebener Mietvertrag vorliegt und du weißt, wer der Vertragspartner ist.
Diese Regel braucht keine Ausnahmen. Es gibt keine seriöse Situation am deutschen Mietmarkt, in der eine Wohnung nur zu bekommen ist, wenn du vor dem Termin überweist. Keine.
Was seriös ist und was nicht
| Zahlung | Wann sie normal ist |
|---|---|
| Kaution | Nach Vertragsabschluss. Höchstens drei Nettokaltmieten, und du darfst sie in drei Monatsraten zahlen. |
| Erste Miete | Zum vertraglich vereinbarten Termin, nicht vorher. |
| Maklerprovision | Nur, wenn der Makler in deinem Auftrag gesucht hat. Wer die Wohnung vom Eigentümer aus anbietet, darf von dir keine Provision verlangen. Das ist das sogenannte Bestellerprinzip. |
| Reservierungsgebühr | Bei einer Mietwohnung ohne Gegenleistung: kein üblicher und kein sinnvoller Vorgang. Lass die Finger davon. |
| Besichtigungsgebühr | Gibt es am seriösen Mietmarkt nicht. |
| Bearbeitungs- oder Prüfgebühr | Gibt es am seriösen Mietmarkt nicht. |
Die Kautionsgrenze ist dabei ein sehr praktischer Prüfstein. Wenn jemand vier oder fünf Monatsmieten Kaution verlangt, stimmt etwas nicht — entweder mit der Person oder mit dem Vertrag.
Die Zahlungswege verraten den Zweck
Ein Betrüger braucht Geld, das nicht zurückgeholt werden kann. Deshalb ist der gewünschte Zahlungsweg oft aussagekräftiger als die Begründung.
- Bargeldtransferdienste wie die klassischen Auslandsüberweisungsschalter: einmal abgeholt, für immer weg.
- Gutscheinkarten, deren Codes du abfotografieren sollst: der eindeutigste Betrugshinweis überhaupt.
- Kryptowährungen: nicht rückholbar, kaum nachverfolgbar für Privatleute.
- Freunde-und-Familie-Zahlung bei Bezahldiensten: schaltet ausgerechnet den Käuferschutz ab.
- Echtzeitüberweisung auf ein fremdes Konto: innerhalb von Sekunden gebucht, sehr schwer zu stoppen.
- Kontoinhaber weicht vom Vermieternamen ab: das ist fast immer ein weitergereichtes Konto einer dritten Person.
Der Graubereich: Möbelablöse und Abstandszahlung
Eine Zahlung sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, ist aber ein anderes Thema: die Ablöse an den Vormieter. Küche, Einbauschränke, Lampen, Bodenbelag — dafür Geld zu verlangen, ist grundsätzlich möglich, wenn die Sachen wirklich existieren und dem Vormieter gehören.

Heikel wird es an zwei Stellen. Erstens, wenn der Preis in keinem Verhältnis zum Wert steht und die Ablöse in Wahrheit dafür bezahlt wird, dass du die Wohnung bekommst. Solche Zahlungen für die Wohnungsvermittlung selbst sind nicht zulässig. Zweitens, wenn du zahlen sollst, bevor du die Sachen gesehen hast oder bevor der Mietvertrag steht.
Praktisch heißt das: Ablöse erst anschauen, dann verhandeln, dann schriftlich festhalten, was zu welchem Preis übernommen wird — und zahlen erst, wenn der Mietvertrag unterschrieben ist. Ohne Vertrag keine Ablöse.
Wie du absagst, ohne die Wohnung zu verlieren
Falls die Wohnung doch echt ist und nur der Vermieter eine schräge Idee hat, willst du nicht als schwieriger Mieter dastehen. Formuliere freundlich und biete etwas an:
Eine Zahlung vor der Besichtigung mache ich grundsätzlich nicht, das hat nichts mit Ihnen zu tun. Gern komme ich kurzfristig zum Termin, und ich bringe meine vollständigen Unterlagen mit. Kaution und Miete zahle ich nach Vertragsunterschrift pünktlich.
Das ist höflich, klar und zeigt gleichzeitig, dass du vorbereitet bist. Ein echter Vermieter nimmt das ohne Weiteres an. Ein Täter zieht weiter zum nächsten Interessenten — und das ist genau das Ergebnis, das du willst.
Wenn du schon gezahlt hast
- Sofort die Bank anrufen, nicht mailen. Nach einem Rückruf der Überweisung fragen.
- Alles sichern: Inserat, Chatverlauf, Mails, Kontodaten, Überweisungsbeleg.
- Anzeige erstatten. Das geht auch online. Die Details stehen in Anzeige wegen Wohnungsbetrug erstatten.
- Keine weitere Zahlung leisten, auch nicht für angebliche Rückabwicklung oder Gebühren.
Die vollständige Reihenfolge der ersten Stunden steht in Sofortmaßnahmen nach einer Überweisung.
Kurz zusammengefasst
- Die Vorkasse-Masche klingt nach Organisation, nicht nach Betrug. Das ist ihr Trick.
- Reservierung, Besichtigung, Bearbeitung, Vorabkaution: alles Etiketten für dieselbe Sache.
- Kein Geld vor der Besichtigung. Kein Geld ohne unterschriebenen Vertrag.
- Kaution höchstens drei Nettokaltmieten, zahlbar in drei Raten, nach Vertragsabschluss.
- Unübliche Zahlungswege sind kein Detail, sondern der Kern der Sache.
Dieser Text erklärt allgemeine Abläufe und Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.
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