Sicherheit und Datenschutz

Anzeige wegen Wohnungsbetrug erstatten

Wo du sie machst, was hineingehört, wie lange es dauert und warum sie sich auch dann lohnt, wenn du dein Geld schon abgeschrieben hast.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

„Bringt doch eh nichts.“ Diesen Satz hört man nach Wohnungsbetrug am häufigsten, und er ist der Grund, warum viele Fälle nie irgendwo auftauchen.

Er stimmt nur zur Hälfte. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Geld direkt über die Anzeige zurückkommt, ist tatsächlich nicht groß. Aber die Anzeige tut mehrere andere Dinge, die für dich handfest wichtig sind — und eine davon brauchst du sogar für deine Bank.

Sortierter Stapel Unterlagen: Eine Anzeige wegen Wohnungsbetrug zu erstatten lohnt sich auch ohne Aussicht auf Geld
Jede Anzeige macht die nächste Masche schwerer. Auch wenn dein Geld weg bleibt.

Warum es sich lohnt, auch wenn das Geld weg ist

  • Du bekommst ein Aktenzeichen. Banken, Portale und Versicherungen fragen danach. Ohne Aktenzeichen bist du in jedem dieser Gespräche jemand, der etwas behauptet.
  • Kontodaten werden zusammengeführt. Dieselbe IBAN taucht meist in vielen Fällen auf. Ein einzelner Fall ist ein Ärgernis, zwanzig Fälle sind ein Verfahren.
  • Empfängerkonten können gesperrt werden. Je früher gemeldet wird, desto eher stoppt das Geld für die nächsten Opfer.
  • Du dokumentierst den Schaden. Falls später doch etwas geht — über eine Versicherung, über eine Rückbuchung, über ein Verfahren — brauchst du die Anzeige.
  • Daten, die du herausgegeben hast, sind aktenkundig. Wenn in deinem Namen später Verträge auftauchen, ist die Anzeige dein Beleg.

Wo du Anzeige erstattest

Du hast drei Wege, und sie sind alle kostenlos.

  1. Bei jeder Polizeidienststelle. Du musst nicht zu der Dienststelle, in deren Bezirk die Wohnung liegt. Jede nimmt die Anzeige auf und leitet sie weiter.
  2. Online über die Internetwache. Fast alle Bundesländer haben eine Onlinewache. Such nach „Onlinewache“ zusammen mit deinem Bundesland. Dort füllst du ein Formular aus und kannst Dateien anhängen.
  3. Bei der Staatsanwaltschaft. Auch möglich, in der Praxis aber selten der bequemste Weg.

Die Onlinewache ist für Betrugsfälle meistens am praktischsten, weil du in Ruhe alles anhängen kannst. Bei großen Schadensummen oder wenn dir zusätzlich gedroht wird, geh lieber persönlich hin.

Bevor du das Formular öffnest

Leg dir alle Unterlagen in einem Ordner bereit und sortiere sie nach Datum. Eine Anzeige, die eine saubere Zeitleiste enthält, wird schneller bearbeitet als eine, aus der sich erst jemand den Ablauf zusammensuchen muss.

Was in die Anzeige gehört

Schreib nüchtern und in der Reihenfolge, in der es passiert ist. Diese Angaben sind wichtig:

Bereich Was du angibst
Das Inserat Portal, Datum, Anzeigennummer, Adresse der Wohnung, Preis, Screenshot
Der Kontakt Name, Mailadresse, Telefonnummer, Profilname, Nachrichtendienst
Der Ablauf Kurze Zeitleiste mit Datum und Uhrzeit: erste Nachricht, Zusage, Zahlungsaufforderung, Überweisung, Abbruch
Die Zahlung Betrag, Datum, Uhrzeit, Empfängername, IBAN, BIC, Verwendungszweck, Beleg
Die Dokumente Mietvertrag, Ausweisscan, Rechnungen, Mails mit vollständigen Kopfzeilen
Deine Daten Welche Unterlagen von dir herausgegeben wurden
Weitere Schritte Ob du die Bank informiert und das Inserat gemeldet hast, mit Datum

Bleib bei dem, was du weißt. Vermutungen darüber, wer dahintersteckt, gehören nicht hinein. Wenn du etwas nicht mehr genau weißt, schreib „ungefähr“ dazu, statt eine Uhrzeit zu erfinden.

Wie du die Beweise übergibst

  • Screenshots als Bilddatei, mit sichtbarem Datum und sichtbarer Adresszeile.
  • Mails als PDF oder als Export, wenn möglich mit den technischen Kopfzeilen. Die findest du meistens unter „Original anzeigen“ oder „Quelltext“.
  • Chatverläufe als Export aus der App, sonst als Folge von Screenshots ohne Lücken.
  • Den Überweisungsbeleg aus dem Onlinebanking als PDF.
  • Eine Datei mit einer nummerierten Übersicht aller Anhänge. Das macht Eindruck und spart Rückfragen.

Behalte alle Originale. Gib niemals dein einziges Exemplar aus der Hand.

Blatt im Scanner: So übergibst du die Beweise, wenn du Anzeige wegen Wohnungsbetrug erstatten willst
Chatverläufe, Kontodaten, Inserat. Ausgedruckt und digital, beides.

Was dich auf der Dienststelle erwartet

Viele schrecken davor zurück, weil sie sich rechtfertigen müssen zu glauben. Das ist nicht so. Die Beamten kennen diese Fälle, sie kommen jede Woche vor, und niemand wird dich auslachen.

Der Ablauf ist ruhig: Du schilderst den Sachverhalt, jemand tippt ihn mit, du liest das Protokoll und unterschreibst. Bring deinen Ausweis mit und die Unterlagen möglichst ausgedruckt oder auf einem Speicherstick. Rechne mit dreißig bis sechzig Minuten.

Ein Tipp aus der Praxis: Schreib vorher zu Hause eine halbe Seite mit der Zeitleiste auf. Dann musst du im Gespräch nicht aus dem Kopf rekonstruieren, und die Aufnahme geht deutlich schneller.

Wenn dir das allein zu viel ist, nimm jemanden mit. Opferhilfeorganisationen kommen auf Wunsch kostenlos mit zur Polizei.

Was danach passiert

Du bekommst eine Eingangsbestätigung mit einem Aktenzeichen. Danach prüft die Staatsanwaltschaft den Fall. Realistisch dauert das Wochen bis Monate, und häufig endet es ohne Ergebnis, weil die Täter im Ausland sitzen oder nur über Mittelsleute gearbeitet haben.

Das ist unbefriedigend, aber es ist nicht sinnlos. Verfahren werden regelmäßig wieder aufgenommen, wenn dieselben Konten oder Nummern erneut auftauchen. Wenn du in der Zwischenzeit neue Informationen bekommst — eine weitere Nachricht, eine neue Nummer, ein wiederaufgetauchtes Inserat — reich sie unter dem Aktenzeichen nach.

Anzeige und Geld sind zwei verschiedene Wege

Eine Anzeige startet ein Strafverfahren. Sie holt nicht automatisch dein Geld zurück. Der zweite Weg läuft über deine Bank und über zivilrechtliche Ansprüche. Ob und wie sich die lohnen, hängt vollständig von deinem Einzelfall ab — das kann nur eine Anwältin oder ein Anwalt beurteilen, und eine Rechtsschutzversicherung übernimmt manchmal die Kosten.

Die Schritte, die parallel laufen müssen, stehen in Sofortmaßnahmen nach einer Überweisung. Die Reihenfolge ist dort wichtiger als die Vollständigkeit: erst die Bank, dann die Beweise, dann die Anzeige.

Auch ohne Geldverlust anzeigen

Viele denken, eine Anzeige lohne sich nur bei einem Schaden. Das stimmt nicht. Wenn dir jemand eine Wohnung angeboten hat, die es nicht gibt, ist ein versuchter Betrug passiert, auch wenn du rechtzeitig ausgestiegen bist.

Und wenn du deine Unterlagen herausgegeben hast, ist ebenfalls etwas passiert, das aktenkundig sein sollte. Melde in diesem Fall zusätzlich, welche Dokumente betroffen sind. Wie du die Löschung verlangst, steht in Deine Bewerbungsunterlagen löschen lassen.

Kurz zusammengefasst

  • Anzeige ist kostenlos, geht bei jeder Dienststelle und meistens auch online.
  • Das Aktenzeichen brauchst du für Bank, Portal und Versicherung.
  • Sortiere Beweise vorher nach Datum und leg eine nummerierte Übersicht dazu.
  • Schreib nur, was du weißt, und erfinde keine Details.
  • Auch der Versuch ist anzeigewürdig — und Datenverlust gehört mit in die Anzeige.
Zum Einordnen

Dieser Text erklärt allgemeine Abläufe und Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.

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