Welche Daten du im Erstkontakt herausgeben darfst
Name und Kontakt — mehr braucht die erste Nachricht nicht. Warum weniger hier tatsächlich mehr Chancen bedeutet und wie das Stufenmodell funktioniert.
Die meisten machen es aus Angst falsch. Aus Angst, nicht ernst genommen zu werden, packen sie in die erste Nachricht alles: Gehaltsabrechnungen, Bonitätsauskunft, Ausweiskopie, Arbeitsvertrag, dazu ein Anschreiben mit Lebenslauf.
Der Gedanke dahinter ist verständlich. Wer alles sofort liefert, spart dem Vermieter Arbeit und wirkt vorbereitet. Nur stimmt das nicht ganz. Und datenschutzrechtlich ist es sogar andersherum.

Das Stufenmodell: der Maßstab, an dem sich alles ausrichtet
Die Datenschutzbehörden der Länder haben ein Modell entwickelt, das regelt, wann ein Vermieter welche Daten verlangen darf. Es arbeitet mit drei Stufen, und die Logik dahinter ist einfach: Je näher der Vertrag, desto mehr darf gefragt werden.
| Stufe | Zeitpunkt | Was zulässig ist |
|---|---|---|
| 1 | Erstkontakt und Besichtigung | Name und Kontaktdaten. Mehr nicht. Eine Ausweiskopie ist unzulässig, das Vorzeigen des Ausweises ist erlaubt. |
| 2 | Bei ernsthaftem Interesse, also in der engeren Auswahl | Beruf, Nettoeinkommen in einer Spanne, Zahl der einziehenden Personen, Angaben zur Zahlungsfähigkeit |
| 3 | Nach der Entscheidung für dich, kurz vor Vertragsschluss | Gehaltsnachweise, Bonitätsauskunft, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung |
Das Modell ist kein Gesetz, sondern die abgestimmte Auslegung der Aufsichtsbehörden. Aber es ist der Maßstab, an dem sich Vermieter messen lassen müssen. Und es gibt dir eine sehr klare Antwort auf die Frage, was du wann herausgeben musst: in Stufe eins fast nichts.
Was in die erste Nachricht gehört
- Dein vollständiger Name
- Telefonnummer und Mailadresse
- Wie viele Personen einziehen
- Zu wann du die Wohnung brauchst
- Wann du Zeit für eine Besichtigung hast
- Ein bis zwei Sätze, warum genau diese Wohnung passt
Das war es. Kein Anhang. Keine Zahlen. Kein Geburtsdatum. Kein Arbeitgeber.
Warum weniger hier mehr Chancen bedeutet
Christian sortiert Anfragen seit über zwanzig Jahren, und er sieht beides: die Anfragen mit zwölf Anhängen und die mit fünf Zeilen. Die erste Runde findet am Handy statt, in Sekunden. Was dabei zählt, ist, ob man in der Vorschau erkennt, wer du bist und was du willst.
Eine Nachricht mit sieben Anhängen wird in dieser Runde nicht zum Vorteil. Sie wird auf später verschoben. Und „später“ ist bei sechzig Anfragen oft nie.
Dazu kommt: Jede Datei, die du verschickst, liegt danach irgendwo. In einem Postfach, auf einem Handy, auf einem Server. Bei Firmen gibt es Löschroutinen. Bei privaten Vermietern gibt es sie oft nicht.
„Meine Unterlagen sind vollständig zusammengestellt und liegen bereit. Ich bringe sie zur Besichtigung mit oder schicke sie, sobald es für Sie passt.“ Damit signalisierst du Vorbereitung, ohne etwas herauszugeben. In der Praxis wirkt dieser Satz besser als jeder Anhang.
So sieht eine gute Erstanfrage aus
Kurz, konkret, in der Vorschau lesbar. Ungefähr so:
Betreff: Anfrage 3-Zimmer-Wohnung Musterstraße 12, Objekt 4711 — 2 Personen, Einzug ab 1. des übernächsten Monats
Guten Tag, ich interessiere mich für Ihre Wohnung in der Musterstraße. Wir sind zwei Personen ohne Haustiere und suchen längerfristig. Der Einzug wäre ab Anfang des übernächsten Monats möglich, früher geht auch. Für eine Besichtigung bin ich diese und nächste Woche flexibel, auch kurzfristig und abends. Meine Unterlagen sind vollständig zusammengestellt und bringe ich gern mit. Sie erreichen mich unter 0123 456789. Viele Grüße, Vorname Nachname
Darin steht alles, was die erste Sortierrunde braucht: wer, wie viele, ab wann, wie flexibel, wie erreichbar. Und es steht kein einziges Dokument im Anhang. Wie du diese Nachricht für Portale anpasst, steht in Erstkontakt über das Portal.
Was in der ersten Nachricht nichts verloren hat

- Ausweiskopie. Nach dem Stufenmodell in der Bewerbungsphase unzulässig. Vorzeigen ja, Kopie nein. Details in Ausweiskopie für die Wohnungsbewerbung.
- Gehaltsabrechnungen. Gehören in Stufe drei, nicht in Stufe eins.
- Bonitätsauskunft. Ebenfalls Stufe drei — und dann nur in der Variante für Vermieter, nie als vollständige Datenkopie.
- Kontoauszüge. Enthalten alles über dein Leben und sind nie erforderlich.
- Steuer-Identifikationsnummer und Sozialversicherungsnummer. Haben mit der Anmietung nichts zu tun.
- Angaben zu Gesundheit, Religion, Herkunft, Parteizugehörigkeit, Kinderwunsch, Schwangerschaft. Darf niemand fragen, und du musst darauf nicht antworten.
- Frühere Mietstreitigkeiten. Die Frage ist unzulässig.
Wenn schon in der Anzeige alles verlangt wird
Manche Inserate fordern gleich die komplette Mappe, bevor überhaupt ein Termin steht. Das ist verbreitet und trotzdem nicht in Ordnung. Du hast zwei Möglichkeiten.
Die ruhige Variante: Du schickst die Stufe-eins-Daten und schreibst dazu, dass die Unterlagen vollständig vorliegen und du sie zum Termin mitbringst. Sehr viele Vermieter akzeptieren das ohne Nachfrage.
Die pragmatische Variante: Du schickst eine ausgefüllte Selbstauskunft, in der du die Felder frei lässt, die in dieser Phase nichts zu suchen haben. Was du ausfüllen musst und was nicht, steht in Ist die Selbstauskunft Pflicht.
Was du nicht tun solltest: aus Angst vor einer Absage die komplette Mappe an einen Fremden schicken, dessen Identität du noch nicht geprüft hast. Genau darauf zielen Datensammler-Inserate ab.
Die Sicherheitsseite: warum Stufe eins auch vor Betrug schützt
Wer in der ersten Nachricht nichts herausgibt, ist für Betrüger uninteressant. Es gibt Inserate, die nie eine Wohnung vermitteln sollten, sondern nur Bewerbungsmappen sammeln — für Identitätsmissbrauch oder für den Weiterverkauf an Vermittler. Ein leeres Erstkontakt-Postfach ist dagegen der beste Schutz.
Bevor du in Stufe drei Unterlagen verschickst, lohnt sich deshalb immer ein Blick auf den Absender. Die Prüfschritte stehen in Vermieter oder Makler auf Echtheit prüfen.
Kurz zusammengefasst
- Stufe eins heißt: Name und Kontakt. Alles andere kommt später.
- Eine Ausweiskopie ist in der Bewerbungsphase unzulässig, Vorzeigen ist erlaubt.
- Gehaltsnachweise und Bonitätsauskunft gehören erst in die letzte Stufe, nach der Auswahl.
- Weniger im Anhang heißt nicht weniger Chancen, sondern oft mehr — die erste Runde dauert Sekunden.
- Der Satz „Unterlagen liegen vollständig bereit“ ersetzt jede verfrühte Datei.
Dieser Text erklärt allgemeine Abläufe und Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.
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