Vermieter oder Makler auf Echtheit prüfen
Nicht die Geschichte prüfen, sondern die Struktur dahinter: Register, Klingelschild, Festnetz, Erlaubnis. Fünf Wege, die ein Täter nicht fälschen kann.
Die meisten Menschen prüfen die falsche Sache. Sie lesen die Nachricht noch einmal, suchen nach Rechtschreibfehlern, achten auf den Tonfall. Aber Sprache kann man üben, Fotos kann man klauen, Dokumente kann man bauen.
Was man nicht so einfach herstellen kann, ist Struktur: ein Eintrag in einem Register, ein Firmenschild im Hausflur, eine Festnetznummer mit Adresse, ein Nachbar, der jemanden kennt. Darauf schaust du.

Weg 1: Das Impressum und die Firma
Wer gewerblich vermietet oder vermittelt, braucht eine Website mit Impressum, und darin stehen Firmenname, Rechtsform, Anschrift, Telefonnummer und die Vertretungsberechtigten.
- Gibt es überhaupt eine Website, die nicht erst seit ein paar Wochen existiert?
- Steht im Impressum eine echte Anschrift mit Hausnummer, nicht nur ein Postfach?
- Gibt es eine Festnetznummer? Reine Mobilnummern sind bei Firmen ungewöhnlich.
- Stimmt der Firmenname exakt mit dem überein, was in der Mail und im Inserat steht? Achte auf kleine Abweichungen — Täter benutzen gern Namen, die echten Firmen ähneln.
- Findest du die Firma auch außerhalb ihrer eigenen Website? Kartendienste, Branchenverzeichnisse, Presse.
Bei einer GmbH oder UG kannst du zusätzlich ins Handelsregister schauen. Dort stehen Sitz, Geschäftsführer und Gründungszeitpunkt. Das ist kostenlos einsehbar und dauert zwei Minuten.
Weg 2: Die Maklererlaubnis
Wer gewerblich Wohnungen vermittelt, braucht dafür eine Erlaubnis nach der Gewerbeordnung. Erteilt wird sie von der zuständigen Stelle der Stadt oder des Kreises, oft dem Ordnungs- oder Gewerbeamt.
Du darfst danach fragen. Ein seriöser Makler nennt dir die Behörde, die ihm die Erlaubnis erteilt hat, ohne sich angegriffen zu fühlen. Zusätzlich sind viele Makler in Berufsverbänden organisiert, deren Mitgliederlisten man online durchsuchen kann. Kein Nachweis für sich genommen ist zwingend, aber die Summe ergibt ein Bild.
Bei der Vermietung von Wohnraum gilt das Bestellerprinzip: Zahlen muss, wer den Makler beauftragt hat. Wer eine Wohnung im Auftrag des Eigentümers anbietet, darf von dir keine Provision verlangen. Wenn dir jemand eine Provision in Rechnung stellen will, obwohl du ihn nie beauftragt hast, ist das immer ein Grund, genauer hinzuschauen.
Weg 3: Das Haus selbst
Der zuverlässigste Test kostet eine Fahrt und zehn Minuten.

- Zum Haus fahren und die Klingelschilder lesen. Steht dort ein Name, der zur Geschichte passt?
- Im Hausflur nach dem Aushang der Hausverwaltung suchen. Fast jedes Mehrfamilienhaus hat einen, mit Firmenname und Notfallnummer.
- Diese Verwaltung anrufen — über die Nummer von deren eigener Website, nicht über die aus dem Aushang abfotografierte, falls du unsicher bist. Frag einfach, ob die Wohnung im Haus tatsächlich zur Vermietung steht.
- Einen Nachbarn ansprechen. „Wissen Sie, ob die Wohnung im zweiten Stock frei ist?“ Diese Frage ist harmlos und beantwortet fast alles.
- Auf den Briefkasten schauen. Ein Briefkasten mit dem Namen des angeblich seit Jahren im Ausland lebenden Vermieters ist ein interessantes Detail.
Weg 4: Das Telefon
Ein Anruf ist der schnellste Filter, den es gibt. Nicht weil Täter keine Telefone hätten, sondern weil sie ein Gespräch nicht steuern können.
Stell zwei, drei konkrete Fragen zur Wohnung: In welchem Jahr wurde das Haus gebaut? Womit wird geheizt? Wer macht die Hausverwaltung? Wie hoch sind die Nebenkosten genau, und was ist enthalten? Wie viele Parteien sind im Haus?
Ein echter Vermieter antwortet, vielleicht etwas ungenau, aber flüssig. Wer nicht weiß, wie sein eigenes Haus beheizt wird, hat es nie gesehen.
Und: Bitte um einen Rückruf. Wer dir keine Nummer gibt, unter der du zurückrufen kannst, sagt damit schon genug.
Der Sonderfall: private Vermieter ohne Firma
Bei privaten Vermietern gibt es kein Impressum und keinen Registereintrag. Das ist normal und kein Warnsignal. Du hast trotzdem Ansatzpunkte:
- Der Name plus der Ort. Such beides zusammen. Oft findest du eine Adresse, einen Beruf, einen Vereinseintrag — irgendeine Spur, die zeigt, dass die Person existiert.
- Die Telefonnummer. Such auch sie separat. Nummern, die in Warnlisten oder Foren auftauchen, sind ein deutliches Zeichen.
- Der Wohnort. Private Vermieter wohnen meistens in derselben Region wie ihre Wohnung oder waren dort verwurzelt.
- Das Gespräch. Wer seit Jahren ein Haus besitzt, weiß, wann die Heizung erneuert wurde und wer im Erdgeschoss wohnt.
- Der Termin. Am Ende ersetzt nichts die Besichtigung. Wer dich in die Wohnung lässt, hat Zugang zu ihr — das ist der stärkste Hinweis überhaupt.
Ob du es mit einer Privatperson oder einer Verwaltung zu tun hast, ändert übrigens auch den Ablauf deiner Bewerbung. Der Unterschied steht in Hausverwaltung oder privater Vermieter.
Weg 5: Der Abgleich der Namen
Am Ende müssen drei Namen zusammenpassen: der im Inserat, der im Mietvertrag und der auf dem Konto, auf das du zahlen sollst. Weicht einer davon ab, muss es dafür eine saubere Erklärung geben — etwa eine Verwaltung, die im Auftrag des Eigentümers handelt und das auch schriftlich belegen kann.
Abweichende Kontoinhaber sind das häufigste Merkmal bei Zahlungen an Täter. Warum das so ist und was du dann tust, steht in Die Vorkasse-Masche.
Was du dabei über dich selbst preisgibst
Prüfen heißt nicht, alles über dich zu erzählen. Für eine erste Anfrage reichen Name, Kontakt und Haushaltsgröße. Ausweis, Gehaltsnachweise und Bonitätsauskunft haben in dieser Phase nichts verloren — auch dann nicht, wenn dein Gegenüber echt ist. Die Reihenfolge steht in welche Daten du im Erstkontakt herausgeben darfst.
Die andere Seite: warum echte Vermieter das Prüfen aushalten
Christian wird selbst regelmäßig überprüft, und das ist ihm lieber als das Gegenteil. Jemand, der nach der Hausverwaltung fragt, den Namen nachschlägt und einen Rückruf möchte, ist kein schwieriger Bewerber. Er ist jemand, der Verträge liest. Genau den wollen Vermieter.
Beleidigt reagiert auf solche Fragen fast nur, wer etwas zu verbergen hat. Das macht die Reaktion selbst zu einem Prüfmittel.
Kurz zusammengefasst
- Prüfe Struktur, nicht Sprache: Register, Impressum, Festnetz, Klingelschild.
- Bei Firmen lohnt der Blick ins Handelsregister, bei Maklern die Frage nach der Erlaubnis.
- Ein Anruf mit drei konkreten Fragen zur Wohnung entlarvt fast jeden, der sie nie gesehen hat.
- Inserat, Vertrag und Kontoinhaber müssen denselben Namen tragen.
- Wer sich über deine Nachfragen ärgert, hat dir damit schon geantwortet.
Dieser Text erklärt allgemeine Abläufe und Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.
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