Sicherheit und Datenschutz

Betrug bei WG-Zimmern und Zwischenmiete

Kleine Beträge, schnelle Zusagen, oft aus einer anderen Stadt heraus: warum WG-Zimmer besonders anfällig sind und welche Prüfungen nur hier greifen.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Ein Zimmer, 420 Euro warm, zentral, ab nächstem Monat. Die Mitbewohner klingen nett, die Fotos sind hell. Nur: Du wohnst noch 400 Kilometer weg, dein Semester beginnt in drei Wochen, und eine Besichtigung wäre eine Tagesreise.

Genau in dieser Lücke arbeiten Täter. Nicht mit großen Summen, sondern mit vielen kleinen — und mit Menschen, die keine Zeit haben, vorbeizukommen.

Küche einer Wohngemeinschaft: Betrug beim WG-Zimmer erkennen gelingt über andere Zeichen als am freien Markt
Bei WGs zählt nicht das Grundbuch, sondern der Mensch am Küchentisch.

Warum gerade WG und Zwischenmiete

  • Die Beträge sind klein. Eine Kaution von 500 Euro prüft man weniger gründlich als eine von 2.400.
  • Die Entscheidungen fallen schnell. Semesterbeginn, Praktikum, befristeter Job — es geht immer um wenige Wochen.
  • Fernanmietung ist normal. Dass jemand aus einer anderen Stadt zusagt, ohne das Zimmer gesehen zu haben, ist hier üblich. Bei einer normalen Wohnung wäre es auffällig.
  • Der Ton ist privat. Man duzt sich, es wirkt wie ein persönlicher Kontakt statt wie ein Vertrag.
  • Die Strukturen sind unübersichtlich. Wer ist Hauptmieter, wer Untermieter, wer darf überhaupt vermieten? Das weiß oft nicht einmal die WG selbst.

Die fünf Maschen, die du kennen musst

  1. Das Zimmer aus dem Ausland. Der angebliche Hauptmieter ist gerade im Auslandssemester. Schlüssel kommen per Post, vorher bitte Kaution. Diese Variante ist identisch mit der klassischen Wohnungsmasche, nur kleiner. Der Ablauf steht in Schlüssel gegen Vorauszahlung per Post.
  2. Die Untervermietung ohne Erlaubnis. Dein Vertragspartner ist selbst nur Mieter und darf gar nicht untervermieten. Du zahlst, ziehst ein und fliegst wieder raus, wenn der Vermieter davon erfährt.
  3. Die Doppelvergabe. Dasselbe Zimmer wird an mehrere Interessenten gleichzeitig vergeben, alle zahlen Kaution, nur einer zieht ein — oder keiner.
  4. Die Ablöse für Möbel. Ein Schreibtisch, ein Bett, ein Regal — zusammen angeblich 900 Euro, zahlbar vorab. In Wahrheit wird dafür bezahlt, dass man das Zimmer überhaupt bekommt. Solche Zahlungen für die Vermittlung selbst sind nicht zulässig.
  5. Das Sammelinserat. Ein Profil, mehrere Zimmer in mehreren Städten, immer dieselben Fotos. Ziel sind Anzahlungen oder Bewerbungsdaten.
Die Regel gilt auch hier, und zwar unverändert

Kein Geld, bevor du im Zimmer gestanden hast und ein unterschriebener Vertrag vorliegt. Auch nicht 200 Euro. Auch nicht als „Zeichen, dass du es ernst meinst“.

Die Prüfungen, die nur bei WGs funktionieren

Der Vorteil einer WG ist, dass dort Menschen wohnen. Das ist ein Prüfmittel, das du bei einer leeren Wohnung nicht hast.

  • Sprich mit mehr als einer Person. Frag nach einem kurzen Videoanruf mit der ganzen WG. Eine erfundene WG hat selten mehrere Gesichter.
  • Lass dir das Klingelschild und den Briefkasten zeigen. Stehen dort die Namen, die dir genannt wurden?
  • Frag nach Alltagsdetails. Wie viele Zimmer, wer wohnt wie lange da, wie wird geheizt, wer macht die Nebenkostenabrechnung? Wer nie dort war, kommt ins Stocken.
  • Schick jemanden vorbei. Freunde, Familie, Kommilitonen in der Stadt. Zehn Minuten vor Ort ersetzen jede Überlegung.
  • Bitte um einen Live-Rundgang. Nicht aufgezeichnet. Bitte während des Anrufs darum, aus dem Fenster zu filmen und das Klingelschild zu zeigen.

Die Papiere, die du sehen solltest

Bei Untermiete und Zwischenmiete ist die Frage nicht nur, ob es das Zimmer gibt, sondern auch, ob dein Gegenüber es vergeben darf.

  • Den Hauptmietvertrag, zumindest die Seiten mit den Vertragsparteien und der Regelung zur Untervermietung.
  • Die Erlaubnis des Vermieters zur Untervermietung, schriftlich. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt.
  • Einen schriftlichen Untermietvertrag mit Namen, Anschriften, Zimmer, Miete, Nebenkosten, Kaution, Laufzeit und Kündigungsfrist.
  • Eine Quittung für die Kaution, mit Datum und Unterschrift. Auch bei Barzahlung, gerade bei Barzahlung.
  • Ein kurzes Übergabeprotokoll mit Zählerständen und dem Zustand des Zimmers. Das schützt dich am Ende bei der Rückzahlung.

Worauf du in einem Vertrag sonst noch achtest, steht in Mietvertrag prüfen vor der Unterschrift.

Wenn du wirklich aus der Ferne mieten musst

Manchmal geht es nicht anders. Dann geht es darum, den möglichen Schaden klein zu halten.

Handy filmt ein Zimmer: Aus der Ferne hilft dir das dabei, Betrug beim WG-Zimmer zu erkennen
Lass dir live durch die Wohnung gehen. Ein fertiges Video sagt nichts.
  1. Alles schriftlich, auch die Absprachen im Chat. Nichts nur am Telefon.
  2. Kaution erst bei der Schlüsselübergabe vor Ort, nicht vorher. Biete an, sie bar gegen Quittung zu übergeben.
  3. Wenn eine Vorauszahlung unvermeidbar erscheint: nur die erste Miete, nie Kaution plus Miete, und nur an einen Kontoinhaber, dessen Name mit dem Vertrag übereinstimmt.
  4. Vorher eine Person vor Ort schicken, die das Zimmer sieht und die WG trifft.
  5. Den Namen und die Telefonnummer deines Gegenübers vorher suchen. Tauchen sie in anderen Städten oder in Warnhinweisen auf, bist du fertig.

Wenn es doch passiert ist

Auch kleine Beträge gehören gemeldet. Ruf zuerst deine Bank an und frag nach einem Rückruf der Überweisung, dann sichere Chatverlauf, Inserat und Zahlungsbeleg. Danach Anzeige erstatten — sie ist kostenlos und geht meistens online. Die Reihenfolge steht in Sofortmaßnahmen nach einer Überweisung.

Und melde das Inserat beim Portal. Gerade bei WG-Portalen arbeiten Täter mit denselben Profilen weiter, solange niemand meldet.

Was du im Erstkontakt gibst

Auch hier gilt die Reihenfolge: Name, Kontakt, ein paar Sätze zu dir. Keine Ausweiskopie, keine Kontoauszüge, keine Immatrikulationsbescheinigung im ersten Schritt. WG-Portale sind ein beliebtes Ziel für Datensammler, weil dort viele junge Menschen bereitwillig alles hochladen. Mehr dazu in welche Daten du im Erstkontakt herausgeben darfst.

Kurz zusammengefasst

  • WG-Zimmer sind anfällig, weil die Summen klein sind und aus der Ferne entschieden wird.
  • Die häufigsten Maschen: Zimmer aus dem Ausland, fehlende Untervermieterlaubnis, Doppelvergabe, überteuerte Ablöse, Sammelinserate.
  • Sprich mit mehreren Bewohnern und lass dir Klingelschild und Briefkasten zeigen.
  • Untervermieterlaubnis, schriftlicher Vertrag, Quittung, Protokoll — in dieser Reihenfolge.
  • Kein Geld vor Zimmer und Vertrag, auch nicht bei kleinen Beträgen.
Zum Einordnen

Dieser Text erklärt allgemeine Abläufe und Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.

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