Diese Fragen solltest du bei der Besichtigung stellen
Bei vierzig Mitbewerbern hast du Zeit für zwei bis drei Fragen. Welche dir wirklich etwas bringen, welche du dir sparst und welche dich aus dem Rennen nehmen.
„Haben Sie noch Fragen?“ Der Satz fällt am Ende jeder Besichtigung. Und dann passiert eines von zwei Dingen. Entweder alle schweigen. Oder einer legt los und fragt zehn Minuten lang Dinge, die im Inserat stehen.
Beides schadet dir. Schweigen heißt: kein Interesse. Ausfragen heißt: anstrengend. Dazwischen liegt eine schmale Spur, und auf der willst du fahren.

Wie viele Fragen realistisch sind
Bei einem Sammeltermin mit vierzig Leuten hast du Zeit für zwei, vielleicht drei Fragen. Nicht mehr. Wer mehr fragt, nimmt anderen die Zeit, und das merkt der Vermieter.
Such dir deshalb vorher aus, welche Antworten du wirklich brauchst, um entscheiden zu können. Alles andere kannst du später schriftlich klären, wenn du in der engeren Wahl bist.
Die Fragen mit dem höchsten Wert
Diese Fragen liefern dir Informationen, die du sonst nirgends bekommst — und sie zeigen dem Vermieter gleichzeitig, dass du weißt, worauf es ankommt.

- „Warum zieht der aktuelle Mieter aus?“ Die wertvollste Frage überhaupt. Die Antwort ist oft ausweichend, und schon das ist eine Antwort. Umzug ins Ausland, Familienzuwachs, Eigenheim — alles unauffällig. Zögern oder „das weiß ich nicht“ bei einer Wohnung, die die Verwaltung selbst betreut, ist ein Signal.
- „Wie hoch war die letzte Nebenkostenabrechnung, und gab es eine Nachzahlung?“ Die Vorauszahlung im Inserat ist eine Schätzung. Die tatsächlichen Kosten sind die Zahl, die du zahlst. Zwischen beiden liegen manchmal mehrere hundert Euro im Jahr.
- „Wie alt ist die Heizung, und wann wurde zuletzt saniert?“ Alte Technik heißt hohe Heizkosten und irgendwann eine Baustelle im Haus. Beides betrifft dich direkt.
- „Wer wohnt im Haus?“ Nicht aus Neugier. Ein Haus mit zwölf Parteien im Schichtdienst klingt anders als eines mit zwei Familien. Und du erfährst, ob der Eigentümer sein eigenes Haus kennt.
- „Steht in nächster Zeit eine Modernisierung an?“ Modernisierungen können zu Mieterhöhungen führen. Das solltest du wissen, bevor du unterschreibst, nicht danach.
- „Wie geht es jetzt weiter, und bis wann entscheiden Sie?“ Klingt banal, ist aber der beste Abschluss. Du erfährst den Zeitplan und zeigst Interesse in einem Satz.
Fragen, die du dir sparen kannst
Alles, was im Inserat steht. Quadratmeter, Kaltmiete, Stockwerk, Baujahr. Solche Fragen zeigen nur, dass du das Inserat nicht gelesen hast — und bei vierzig Bewerbern ist das ein leicht zu ziehendes Ausschlusskriterium.
Ebenfalls unnötig im Termin: Fragen, die sich schriftlich besser klären lassen. Details zur Kaution, zur Kündigungsfrist, zur Hausordnung. Die stehen alle im Vertrag, und den bekommst du, bevor du unterschreibst.
Fragen, die dich aus dem Rennen nehmen können
Jetzt der unangenehme Teil. Es gibt Fragen, die inhaltlich völlig berechtigt sind, im Erstkontakt aber teuer werden — weil sie dich als aufwendig markieren, bevor dich jemand kennt.
- Preisverhandlung. „Geht bei der Miete noch was?“ Vor der Zusage ist die Antwort fast immer nein, und du wirkst wie jemand, der knapp kalkuliert.
- Umbauwünsche. „Kann ich die Wand rausnehmen?“ Das erzeugt Arbeit im Kopf des Vermieters. Frag später.
- Untervermietung. Im Erstgespräch klingt das nach Unsicherheit über die eigene Zukunft.
- Der Haustier-Doppelschritt. Wenn Haustiere im Inserat ausgeschlossen sind, bringt Nachfragen nichts. Wenn nichts dazu steht, frag ruhig — aber nur, wenn du tatsächlich ein Tier hast.
Das heißt nicht, dass du diese Dinge nicht klären sollst. Es heißt nur: nicht jetzt. Nach der Zusage und vor der Unterschrift ist genau der richtige Moment. Was dann zu tun ist, steht in Du hast die Zusage: was jetzt sofort zu tun ist.
Fragen, die dir gestellt werden
Das läuft in beide Richtungen. Du wirst gefragt, und zwar meistens dasselbe: Wie viele Personen, was arbeitest du, ab wann, Haustiere, Raucher. Darauf solltest du in einem Satz antworten können, ohne zu überlegen.
Es gibt aber auch Fragen, die nicht zulässig sind. Nach einer Schwangerschaft, nach Familienplanung, nach Religion, Parteizugehörigkeit oder einer Mitgliedschaft im Mieterverein darf nicht gefragt werden. Auch Fragen nach Vorstrafen oder Krankheiten gehören nicht dazu.
Du musst darauf nicht wahrheitsgemäß antworten, und eine falsche Antwort auf eine unzulässige Frage kann dem Vermieter später in der Regel nicht entgegengehalten werden. Am einfachsten ist ein freundliches Ausweichen. Ein Streit im Türrahmen bringt dich der Wohnung nicht näher.
Wie du fragst, ist wichtiger als was
Ein paar Dinge aus der Praxis. Frag nicht mitten im Gedränge, sondern wenn sich die Gruppe lichtet. Wie du dabei auftrittst, wirkt übrigens stärker als jedes einzelne Wort — dazu steht mehr in Was ziehst du zur Wohnungsbesichtigung an. Frag freundlich und kurz. Und hör die Antwort wirklich an — Leute, die ihre nächste Frage schon im Kopf haben, merkt man sofort.
Und der wichtigste Satz kommt zum Schluss, nach der letzten Frage: „Ich habe ernsthaftes Interesse und könnte zum 1. einziehen. Was brauchen Sie von mir?“ Damit wechselst du von der Zuschauerrolle in die Bewerberrolle.
Wann du welche Frage stellst
Der richtige Zeitpunkt ist fast so wichtig wie die Frage selbst. Ein einfaches Schema hilft:
- Beim Ankommen, während die Gruppe wartet: die leichte Frage. „Wie viele Parteien sind im Haus?“ Das ist ein Gesprächseinstieg und kostet niemanden Zeit.
- Während des Rundgangs: die technische Frage direkt am Objekt. Vor der Heizung nach der Heizung fragen, im Bad nach der Lüftung. So wirkt es wie Interesse und nicht wie ein Verhör.
- Am Ende, wenn sich die Gruppe lichtet: die wichtige Frage — Vormieter, Nebenkostenabrechnung, weiterer Ablauf. Dann hast du die Aufmerksamkeit für dich.
Wer alle Fragen auf einmal am Ende stellt, wenn schon zwanzig Leute drängeln, bekommt kurze Antworten. Wer sie verteilt, bekommt Gespräche.
Was du aus der Antwort herausliest
Oft ist die Art der Antwort aussagekräftiger als ihr Inhalt. Ein Vermieter, der das Baujahr der Heizung aus dem Kopf weiß, kümmert sich um sein Haus. Einer, der bei der Nebenkostenabrechnung ausweicht, hat dafür meistens einen Grund. Und wenn jemand auf die Frage nach dem Vormieter mit einer sehr langen Erklärung antwortet, lohnt es sich zuzuhören.
Das ist kein Misstrauen, sondern Aufmerksamkeit. Du entscheidest hier über den Ort, an dem du die nächsten Jahre wohnst, und über eine der größten monatlichen Ausgaben deines Haushalts.
Kurz zusammengefasst
Zwei bis drei Fragen, sorgfältig ausgewählt: Warum zieht der Vormieter aus, wie hoch war die letzte Nebenkostenabrechnung, wie geht es jetzt weiter. Nichts fragen, was im Inserat steht. Verhandlung, Umbau und Untervermietung auf später verschieben. Und am Ende deinen Interessensatz sagen. Die passende Prüfrunde dazu steht in der Checkliste zur Wohnungsbesichtigung und in Mängel bei der Besichtigung erkennen.
Stand: September 2026. Dieser Text stellt allgemeine Regeln dar und richtet sich an die Allgemeinheit. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine individuelle Prüfung deiner Situation.
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- Das Bewerberformular der Hausverwaltung ausfüllen
- Die Wohnungsbesichtigung: Checkliste zum Mitnehmen
- Erstkontakt per WhatsApp: geht das bei einer Wohnung?
- Kind oder Hund zur Wohnungsbesichtigung mitnehmen
- Dateiname und Absender der Wohnungsbewerbung richtig wählen
- Die Bewerbungsmappe bei der Besichtigung richtig übergeben