Wohnung finden in Bremen: GEWOBA, Genossenschaften und der unterschätzte B-Schein
In Bremen halten sich viele zu Unrecht für nicht berechtigt. Welche Gesellschaften und Genossenschaften hier vermieten, wie der B-Schein läuft und welche Regel beim geförderten Neubau fast niemand kennt.
Du gehst durchs Steintorviertel, das hier einfach „das Viertel“ heißt, und rechnest im Kopf. Drei Zimmer wären schön, zwei würden reichen. Dann fällt dir ein, dass du seit sechs Wochen suchst und noch nicht eine einzige Besichtigung bekommen hast. Und dass du bei der Frage „Haben Sie einen B-Schein?“ jedes Mal ratlos abwinkst.
Genau da liegt in Bremen der größte Denkfehler. Sehr viele Menschen halten sich für nicht berechtigt — und sind es in Wahrheit. Bremen hat eine Regel, die deutlich großzügiger ist, als fast jeder vermutet.

Wie der Bremer Markt tickt
Bremen ist anders gebaut als die meisten Großstädte. Die typische Bremer Bauform ist das Altbremer Haus: ein schmales Reihenhaus, oft in ein oder zwei Wohnungen aufgeteilt, mit Souterrain und kleinem Garten. Das heißt: Sehr viel Wohnraum gehört nicht großen Gesellschaften, sondern Privateigentümern mit einer oder zwei Einheiten.
Für deine Suche hat das zwei Folgen. Erstens: Ein spürbarer Teil des Bremer Marktes wird privat vermietet, oft über persönliche Kontakte, Aushänge und kleine Anzeigen. Zweitens: Bei diesen Vermietern zählt der persönliche Eindruck stärker als bei einem großen Unternehmen, weil da tatsächlich ein Mensch entscheidet und nicht ein Verfahren.
Räumlich ist die Nachfrage im Viertel, in Findorff, in der Neustadt, in Schwachhausen und in der Überseestadt am höchsten. Ruhiger ist es in Gröpelingen, Huchting, Osterholz, Hemelingen, Blumenthal und im gesamten Bremer Norden rund um Vegesack. Bremen-Nord ist mit der Regio-S-Bahn angebunden und wird von vielen Suchenden komplett übersehen, obwohl es zur Stadt gehört.
Die Wege, die Bremer kennen
Die GEWOBA
Die GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen ist nach eigenen Angaben die größte Vermieterin im Land Bremen, also in Bremen und Bremerhaven zusammen. Der Sitz ist der Rembertiring 27. Die GEWOBA vermietet Bestandswohnungen und baut laufend neu — und ein erheblicher Teil dieser Neubauten ist öffentlich gefördert.
Die BREBAU
Die BREBAU GmbH ist die zweite große Wohnungsgesellschaft der Stadt, mit Sitz an der Schlachte 12–14 und einer über achtzigjährigen Geschichte. Ihr Angebot reicht von der günstigen Single-Wohnung über Reihenhäuser bis zu barrierefreien Wohnungen. Wer in Bremen sucht und nur die GEWOBA kennt, hat die Hälfte übersehen.
Die Genossenschaften
Bremen hat eine überschaubare, aber gut verteilte Genossenschaftslandschaft:
- ESPABAU Eisenbahn Spar- und Bauverein Bremen eG — nach eigenen Angaben die älteste Wohnungsbaugenossenschaft Bremens mit über 3.000 Wohnungen in Findorff, Sebaldsbrück, Osterholz, Huchting, Gröpelingen, Walle, Hemelingen, Hastedt, der Neustadt und in Bremen-Nord. Geschäftsstelle Meraner Straße 18.
- GEWOSIE Wohnungsbaugenossenschaft Bremen-Nord eG
- Gemeinnütziger Beamten-Wohnungsverein eG
- Schönere Zukunft eG
- WGS Bremen Wohnungsgenossenschaft eG
Die ESPABAU nimmt Wohnungsgesuche nicht per Mail entgegen, sondern über die Plattform Immomio. Dort legst du ein Suchprofil an und wirst über passende frei werdende Objekte informiert. Ohne diese Registrierung und ohne vollständige Angaben wird dein Wunsch nach eigener Aussage nicht berücksichtigt. Solche Eigenheiten hat fast jede Genossenschaft — prüf sie, bevor du dich wunderst, dass nie jemand antwortet.
Der B-Schein in Bremen — und die Regel, die kaum jemand kennt
In Bremen heißt der Wohnberechtigungsschein B-Schein. Zuständig ist nicht ein Amt im Rathaus, sondern das Referat Wohnungswesen bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Contrescarpe 73. Der Antrag ist gebührenfrei.

Einreichen kannst du ihn schriftlich per Post oder E-Mail, persönlich zu den Öffnungszeiten, per Briefkasteneinwurf — oder in jedem BürgerServiceCenter. Nach der Prüfung bekommst du eine Rückmeldung, und bei positivem Ergebnis kommt der Schein per Post.
Jetzt der entscheidende Punkt. Für den Bezug einer geförderten Neubauwohnung dürfen die bundesgesetzlichen Einkommensgrenzen aus dem Wohnraumförderungsgesetz um bis zu sechzig Prozent überschritten werden. Die GEWOBA rechnet das auf ihrer Seite selbst vor: Eine fünfköpfige Familie aus zwei Erwachsenen und drei Kindern kann bei einem zu erwartenden Jahresbruttoeinkommen aus nichtselbständiger Arbeit von bis zu 73.915 Euro Anspruch auf einen B-Schein haben (Quelle: GEWOBA, Berechnungsbeispiel mit den dort genannten Abzügen).
Das ist keine Randnotiz. Das heißt, dass viele Haushalte mit ganz normalem Einkommen für den geförderten Neubau in Bremen berechtigt sind und es schlicht nicht wissen. Maßgeblich ist übrigens in der Regel das Einkommen, das in den nächsten zwölf Monaten zu erwarten ist — nicht das, was du früher verdient hast.
Eine Falle solltest du kennen: Der B-Schein wird ungültig, wenn sich die Zahl der darin aufgeführten Haushaltsmitglieder ändert, die in die Wohnung einziehen. Wer also zwischen Antrag und Mietvertrag Pläne ändert, braucht einen neuen Schein. Mehr zum Thema im Ratgeber zum Wohnberechtigungsschein und unter Sozialwohnung finden.
Das Umland — in Bremen oft die bessere Rechnung
Bremen ist ein Stadtstaat, und direkt hinter der Landesgrenze beginnt Niedersachsen mit eigenen, meist ruhigeren Märkten.
- Delmenhorst — westlich, sehr nah, per Regionalbahn in wenigen Minuten erreichbar.
- Stuhr und Weyhe — südlich direkt angrenzend.
- Achim und Oyten — südöstlich an der Bahnstrecke Richtung Verden.
- Osterholz-Scharmbeck, Lilienthal und Ritterhude — nördlich Richtung Teufelsmoor.
- Schwanewede — nordwestlich, nahe Bremen-Nord.
- Syke und Verden — weiter südlich, dafür deutlich entspannter.
Wichtig: Der Bremer B-Schein gilt für Bremen. Wer nach Niedersachsen ausweicht, braucht dort den niedersächsischen Schein, weil Niedersachsen ein eigenes Wohnraumfördergesetz hat. Plan diesen Schritt mit ein. Mehr dazu unter Suche in einer anderen Stadt.
Was in Bremen anders läuft
Christian sitzt seit über zwanzig Jahren auf der Seite, die Bewerbungen sortiert. Der Unterschied zwischen einem privaten Einzelvermieter und einer großen Gesellschaft ist ihm täglich vor Augen — und Bremen ist die Stadt, in der beide Typen fast gleich stark vertreten sind.
Beim privaten Vermieter eines Altbremer Hauses entscheidet ein Mensch, oft am Küchentisch, oft nach Bauchgefühl. Da helfen eine klare Vorstellung, ein sauberer erster Eindruck und eine vollständige Mappe. Bei GEWOBA, BREBAU und den Genossenschaften arbeitet dagegen jemand ein Verfahren ab. Da nützt Charme wenig und eine fehlende Verdienstbescheinigung kostet Wochen.
Wer in Bremen erfolgreich sucht, spielt beide Klaviere gleichzeitig. Und er klärt zuerst die Frage des B-Scheins, weil die Antwort hier häufiger positiv ausfällt, als die meisten annehmen. Mehr zum Prinzip unter kommunale Wohnungsunternehmen und angespannter Markt.
Prüfe drei Dinge: Hast du den B-Schein wirklich geprüft oder nur vermutet, nicht berechtigt zu sein? Bist du bei GEWOBA, BREBAU und mindestens zwei Genossenschaften mit einem vollständigen Gesuch hinterlegt? Und ist deine Mappe so aufgebaut, dass sie in Sekunden lesbar ist? Der Kurs liefert dir dafür das komplette Selbstlernmaterial. Alles im Komplett-Paket.
Kurz zusammengefasst
- Bremen ist die Stadt der Altbremer Häuser — ein großer Teil des Marktes wird privat vermietet.
- Die GEWOBA ist die größte Vermieterin im Land Bremen, die BREBAU die zweite große Gesellschaft.
- ESPABAU, GEWOSIE, Beamten-Wohnungsverein, Schönere Zukunft und WGS Bremen sind die genossenschaftlichen Adressen — jede mit eigenem Anmeldeweg.
- Der B-Schein kommt vom Referat Wohnungswesen bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Contrescarpe 73, und ist gebührenfrei.
- Für geförderten Neubau dürfen die bundesgesetzlichen Einkommensgrenzen um bis zu sechzig Prozent überschritten werden. Rechne nach, bevor du abwinkst.
- Delmenhorst, Stuhr, Weyhe, Achim, Oyten, Osterholz-Scharmbeck, Lilienthal und Schwanewede sind nah — dort gilt allerdings der niedersächsische Schein.
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