Einzug und Übergabe

Fotos bei der Übergabe: worauf du achtest

Vierzig Bilder, auf denen man nichts erkennt, sind wertlos. Zwanzig richtige Bilder sind beim Auszug bares Geld. Wie du fotografierst, damit die Aufnahmen später wirklich etwas beweisen.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Jeder macht Fotos bei der Übergabe. Fast niemand macht brauchbare.

Das typische Ergebnis: dreiundvierzig Bilder, alle aus der Raummitte, alle im gleichen Licht, auf keinem ist etwas zu erkennen, was man in vier Jahren als Beweis verwenden könnte. Sie zeigen, dass eine Wohnung existiert. Sie zeigen nicht, wie sie aussah.

Der Unterschied liegt nicht an der Kamera. Er liegt an drei Dingen: Abstand, Maßstab und Reihenfolge.

Handy fotografiert eine Schadstelle: Fotos bei der Wohnungsübergabe sind dein bester Beweis
Drei Abstände, eine feste Reihenfolge. Danach vergisst du nichts.

Die drei Abstände

Fotografiere jeden relevanten Punkt dreimal:

  1. Der Übersichtsschuss. Aus der Tür in den Raum. Er zeigt, wo wir sind. Ohne ihn weiß später niemand, in welchem Zimmer die Nahaufnahme entstanden ist.
  2. Der Zuordnungsschuss. Aus zwei bis drei Metern auf die Stelle, mit einem erkennbaren Bezugspunkt im Bild: Fenster, Tür, Heizkörper, Steckdose. Er verbindet Detail und Raum.
  3. Die Nahaufnahme. Direkt auf den Punkt, mit einem Maßstab daneben.
Der eine Trick, der alles verändert

Leg etwas mit bekannter Größe ins Bild. Ein Zollstock ist ideal, eine Geldmünze oder ein Kugelschreiber reicht auch. Ohne Maßstab ist ein Kratzer auf dem Foto 3 cm oder 30 cm lang, je nachdem, wer ihn beschreibt. Mit Maßstab ist er messbar.

Die Reihenfolge, mit der du nichts vergisst

Geh immer gleich vor: von der Wohnungstür aus im Uhrzeigersinn durch die Wohnung, pro Raum wieder im Uhrzeigersinn, dann Boden, dann Decke. Klingt pedantisch, sorgt aber dafür, dass die Bilder später in einer nachvollziehbaren Reihenfolge liegen — und dass kein Raum fehlt.

Leerer Raum mit Parkett: In dieser Reihenfolge entstehen die Fotos bei der Wohnungsübergabe als Beweis
Raum für Raum im Uhrzeigersinn. Dann fehlt keine Ecke.

Was du in jedem Raum fotografierst

  • Boden gesamt, plus jede auffällige Stelle einzeln
  • Jede Wand einzeln, auch die ohne Auffälligkeiten
  • Decke, besonders Ecken und den Bereich um Lampenauslässe
  • Fenster geschlossen, geöffnet und gekippt, dazu Rahmen, Dichtung und Griff
  • Fensterlaibungen und Fensterbänke, innen wie außen
  • Tür, Türblatt, Zarge, Klinke, Schloss
  • Heizkörper mit Thermostat und Anschlüssen
  • Alle Steckdosen und Schalter
  • Deckenauslass: Lampe vorhanden oder blankes Kabel

Die Punkte, die am häufigsten fehlen

  • Silikonfugen in Bad und Küche, einzeln und nah
  • Unter der Spüle und hinter der Toilette — dort beginnt der teuerste Streit
  • Der Bereich hinter Heizkörpern
  • Fensterrahmen unten außen, wo sich Feuchtigkeit sammelt
  • Keller, Dachboden, Garage, Stellplatz, inklusive Nummer des Abteils
  • Balkon: Bodenbelag, Geländer, Abfluss
  • Briefkasten und Klingelschild
  • Alle Zähler, je einmal mit Nummer und Anzeige im selben Bild. Wie du richtig abliest, steht in Zählerstände beim Einzug richtig ablesen.
  • Die Schlüssel, alle zusammen auf einem Tisch ausgelegt, sortiert und zählbar

Technik: was wirklich zählt

  • Licht. Bei Tageslicht fotografieren, alle Lampen an. Gegen ein Fenster fotografieren funktioniert nie — stell dich um.
  • Kein Zoom. Geh näher ran statt zu zoomen, das kostet sonst Schärfe.
  • Scharf stellen. Einmal auf die Stelle tippen, kurz warten, dann auslösen. Ein unscharfes Beweisfoto ist kein Beweisfoto.
  • Zeitstempel prüfen. Datum und Uhrzeit im Handy müssen stimmen. Sie stecken in der Bilddatei und sind das, was dem Foto später sein Datum gibt.
  • Originale behalten. Verschick die Bilder nicht als komprimierte Messenger-Nachricht und lösch danach die Originale. Beim Komprimieren gehen die Bildinformationen verloren.
  • Ein kurzes Video dazu. Ein langsamer Rundgang mit gesprochenem Kommentar ersetzt keine Detailfotos, ordnet sie aber gut ein.

Nach dem Termin: sichern und benennen

  1. Noch am selben Tag alles vom Handy auf einen zweiten Speicherort kopieren. Ein Handy geht verloren, ein Cloud-Ordner meistens nicht.
  2. Einen Ordner anlegen mit Adresse und Einzugsdatum im Namen.
  3. Die wichtigsten Bilder durchnummerieren und im Dateinamen benennen: 04-bad-silikonfuge-dusche.jpg.
  4. Diese Nummern ins Übergabeprotokoll eintragen, damit Text und Bild zusammengehören. Welche Formulierungen im Protokoll tragen, steht in Was ins Übergabeprotokoll gehört und was nicht.
  5. Wenn kein Protokoll gemacht wurde: die Bilder noch am selben Tag an den Vermieter mailen, mit kurzer Beschreibung. Dann tragen sie ein Datum, dem niemand widersprochen hat — mehr dazu in Ohne Protokoll eingezogen.

Wenn der Vermieter das Fotografieren nicht will

Das kommt vor, und zwar öfter, als man denkt. Dabei ist die Wohnung leer, es wohnt niemand darin, und es geht um den Zustand der Mietsache, die du gleich übernimmst. Ein Interesse an sauberer Dokumentation hat jeder vernünftige Vermieter selbst, denn die Bilder schützen auch ihn vor Behauptungen.

Wenn trotzdem jemand blockt, hilft ein ruhiger Satz mehr als eine Diskussion: „Ich fotografiere nur den Zustand der Wohnung fürs Protokoll, keine Personen. Sie bekommen die Bilder gern mit.“ Damit ist die Sorge meist vom Tisch. Und falls nicht, notierst du im Protokoll, dass Fotos nicht gewünscht waren. Auch das ist eine Information, die später etwas wert ist.

Was Fotos nicht können

Ein Foto zeigt einen Ausschnitt zu einem Zeitpunkt. Es zeigt nicht, ob ein Fenster dicht schließt, ob die Heizung warm wird, ob der Rollladen läuft oder ob es in einem Raum riecht. Genau deshalb ersetzen Fotos kein Protokoll, sondern ergänzen es. Die Funktionsprüfung gehört in Worte, der Zustand in Bilder.

Und noch ein Punkt, der selten bedacht wird: Fotografiere nicht die Nachbarn, nicht Namen an fremden Klingelschildern und keine fremden Fahrzeugkennzeichen. Es geht um deine Wohnung, nicht um das Haus.

Kurz zusammengefasst

Fotografiere jede Stelle in drei Abständen: Übersicht, Zuordnung, Detail. Leg immer einen Maßstab ins Bild. Geh in fester Reihenfolge durch die Wohnung, damit nichts fehlt, und vergiss Fugen, Keller, Balkon, Zähler und Schlüssel nicht. Achte auf Licht, Schärfe und korrektes Datum im Handy. Sichere die Originale noch am selben Tag an einem zweiten Ort, nummeriere sie und verbinde die Nummern mit dem Protokoll. Zwanzig richtige Bilder schlagen hundert beliebige.

Stand und Hinweis

Stand: September 2026. Dieser Text stellt allgemeine Regeln dar und richtet sich an die Allgemeinheit. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine individuelle Prüfung deiner Situation.

Du willst das nicht jedes Mal neu bauen?

15 fertige Anschreiben, die Selbstauskunft und alle Checklisten.

Die Zusage-Vorlagen — 19 € Einmalzahlung. Kein Abo. Sofort verfügbar.

Das passt dazu

Cookie-Einstellungen ändern