Einzug und Übergabe

Zählerstände beim Einzug richtig ablesen

Ein falsch abgelesener Zähler kostet dich am Jahresende einen dreistelligen Betrag — für Verbrauch, den jemand anders hatte. Welche Zähler es gibt, was du wirklich notieren musst und wo die typischen Fallen liegen.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Im Keller hängen vier Kästen. Drei sehen gleich aus. Einer blinkt. Der Hausmeister zeigt vage in die Richtung und sagt: „Der da ist deiner.“ Du machst ein Foto, hakst es ab und denkst nicht mehr dran.

Elf Monate später kommt die Abrechnung. Und darin steht ein Verbrauch, der nicht deiner sein kann, weil du drei Wochen im Urlaub warst und trotzdem geheizt haben sollst wie eine Gärtnerei.

Der Zählerstand beim Einzug ist die Nulllinie deiner gesamten Abrechnung. Wer sie falsch setzt, zahlt für Fremdverbrauch — und merkt es erst, wenn das Geld weg ist.

Stromzähler im Keller: Den Zählerstand beim Einzug richtig ablesen spart dir eine ganze Abrechnung
Falsch abgelesen heißt ein Jahr lang falsch abgerechnet.

Welche Zähler es geben kann

Zähler Wo er meist hängt Was du notierst
Strom Keller, Hausanschlussraum, Flur, seltener in der Wohnung Zählernummer + Stand in kWh
Gas Keller oder Wohnung, oft nahe der Therme Zählernummer + Stand in m³
Kaltwasser Bad, Küche, Abstellraum, teils im Keller Nummer + Stand in m³, je Strang
Warmwasser wie Kaltwasser, meist rot markiert Nummer + Stand in m³
Wärmemengenzähler im Heizungsrohr der Wohnung Nummer + Stand in kWh oder MWh
Heizkostenverteiler direkt am Heizkörper Nummer + angezeigter Wert je Heizkörper

Nicht jede Wohnung hat alle. In vielen Mietwohnungen läuft die Heizung über die Nebenkosten, dann gibt es Heizkostenverteiler statt eines eigenen Gaszählers. Strom hast du fast immer selbst.

Die wichtigste Regel: Nummer vor Stand

Der häufigste Fehler ist nicht der falsch abgelesene Stand. Es ist der fehlende Bezug. Wenn du nur „Stromzähler: 34.781“ notierst und im Keller hängen sechs Zähler, ist die Zahl später wertlos.

Notiere deshalb immer beides: Zählernummer und Stand. Die Zählernummer steht auf dem Gehäuse, oft mit einem Barcode daneben, manchmal als „Zählernummer“ oder „Nr.“ gekennzeichnet. Sie ist die Zahl, die dein Versorger braucht — nicht die Nummer, die jemand mit Edding auf den Kasten geschrieben hat.

Kleiner Handgriff, große Wirkung

Mach zu jedem Zähler zwei Fotos: eines von der ganzen Front, auf dem Nummer und Anzeige gemeinsam zu sehen sind, und eines nah auf die Anzeige. So kann später niemand behaupten, der Stand gehöre zu einem anderen Zähler.

So liest du richtig ab

Handy fotografiert das Zählwerk: So kannst du den Zählerstand beim Einzug richtig ablesen
Ein Foto vom Zähler samt Nummer schlägt jede handschriftliche Notiz.
  1. Nur die schwarzen Ziffern. Bei alten Rollenzählern sind die letzten Stellen rot unterlegt oder durch ein Komma abgetrennt. Das sind Nachkommastellen. Der Versorger will die Zahl vor dem Komma, die Nachkommastellen notierst du zusätzlich fürs Protokoll.
  2. Bei digitalen Zählern die richtige Anzeige auswählen. Moderne Messeinrichtungen zeigen im Wechsel mehrere Werte. Relevant ist der Zählerstand, meist gekennzeichnet mit 1.8.0.
  3. Bei zwei Tarifen beide Werte. Wenn 1.8.1 und 1.8.2 angezeigt werden, hast du einen Doppeltarifzähler mit Hoch- und Niedertarif. Dann brauchst du beide Stände, sonst stimmt die Abrechnung nie.
  4. Einspeisung getrennt halten. Taucht ein Wert 2.8.0 auf, ist das eingespeiste Energie, zum Beispiel aus einer Solaranlage. Der gehört nicht zu deinem Verbrauch.
  5. Wasserzähler: alle finden. Viele Wohnungen haben zwei Kaltwasserzähler, einen für Bad, einen für Küche. Wer nur einen notiert, hat beim Auszug eine Lücke.
  6. Datum und Uhrzeit dazuschreiben. Ein Stand ohne Datum ist eine Zahl ohne Bedeutung.

Die typischen Fallen

Der Zähler gehört gar nicht zu dir

In größeren Häusern hängen die Stromzähler in Reihe, oft ungenau beschriftet. Lass dir im Übergabetermin ausdrücklich bestätigen, welcher Zähler zu deiner Wohnung gehört, und schreib die Nummer ins Protokoll. Was sonst noch dort hineingehört, steht in Was ins Übergabeprotokoll gehört und was nicht.

Die digitale Anzeige ist dunkel

Viele moderne Zähler schalten das Display aus, um Strom zu sparen. Ein kurzer Druck auf die Taste oder ein Lichtimpuls mit der Taschenlampe auf die optische Schnittstelle weckt sie. Deshalb gehört eine Taschenlampe in die Übergabetasche.

Die erweiterte Anzeige ist gesperrt

Bei manchen digitalen Zählern sind historische Werte nur nach Eingabe einer PIN sichtbar. Für den reinen Zählerstand brauchst du die nicht. Wenn du sie doch benötigst, bekommst du sie beim Messstellenbetreiber, also der Stelle, die den Zähler betreibt.

Die Wohnung stand leer

Dann kann zwischen dem Auszug des Vormieters und deinem Einzug Verbrauch angefallen sein, etwa durch Handwerker oder eine laufende Heizung. Genau deshalb zählt dein eigener Stand am Übergabetag und nicht der, den jemand aus einer alten Liste abschreibt.

Der Vormieter hat schon abgelesen

Das ist gut, aber kein Ersatz. Vergleicht die Werte. Weichen sie ab, schreibt beide Zahlen ins Protokoll und haltet fest, wessen Ablesung wann erfolgte.

Was du direkt danach machst

  • Fotos sichern und an einen zweiten Ort kopieren, nicht nur auf dem Handy lassen.
  • Die Stände ins Übergabeprotokoll eintragen und unterschreiben lassen.
  • Strom und Gas noch am selben Tag beim Versorger melden — die richtige Reihenfolge dafür steht in Strom, Gas, Internet ummelden.
  • Wasser und Wärme an den Vermieter oder die Verwaltung melden, denn die rechnen über die Nebenkosten ab.
  • Wenn es kein Protokoll gab: die Stände in einer datierten Mail an den Vermieter festhalten. Wie das geht, steht in Ohne Protokoll eingezogen.

Kurz zusammengefasst

Der Zählerstand beim Einzug ist die Nulllinie für alles, was du später bezahlst. Notiere zu jedem Zähler Nummer und Stand, mit Datum, und fotografiere beides gemeinsam. Bei digitalen Zählern ist 1.8.0 der Verbrauch, bei zwei Tarifen brauchst du 1.8.1 und 1.8.2. Suche alle Wasserzähler, nicht nur den ersten. Lass dir bestätigen, welcher Zähler wirklich zu deiner Wohnung gehört. Und melde die Werte am selben Tag weiter, solange sie noch stimmen.

Stand und Hinweis

Stand: September 2026. Dieser Text stellt allgemeine Regeln dar und richtet sich an die Allgemeinheit. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine individuelle Prüfung deiner Situation.

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