Einzug und Übergabe

Wenn der Zählerstand im Übergabeprotokoll nicht stimmt

Wenn die erste Abrechnung einen fremden Anfangsstand zeigt: woran du die Verwechslung erkennst und wie du sie mit Foto und Protokoll klärst.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Die erste Stromrechnung nach dem Einzug liegt im Briefkasten. Du hast drei Monate lang sparsam gelebt, kaum gekocht, und trotzdem steht da eine Nachzahlung über zweihundertsiebzig Euro. Der Anfangsstand auf der Rechnung ist ein anderer als der auf deinem Protokoll.

Das passiert häufiger, als man denkt. Und es lässt sich fast immer klären — wenn du weißt, welche Angabe wirklich zählt.

Strom- und Gaszaehler im Keller mit notierten Staenden beim Einzug in die Mietwohnung
Im Keller haengen sechs gleich aussehende Zaehler. Nur die Nummer sagt, welcher deiner ist.

Der Fehler fällt erst mit der ersten Rechnung auf

Bei der Übergabe geht alles schnell. Jemand schließt die Kellertür auf, leuchtet mit dem Handy auf eine Zählerreihe, liest eine Zahl vor, du nickst. Ob das überhaupt dein Zähler war, weiß in diesem Moment niemand mit Sicherheit.

Der Fehler bleibt monatelang unsichtbar. Erst wenn der Versorger abrechnet, taucht er auf: als Verbrauch, den du nie hattest. Dann liegt die Beweislast praktisch bei dir, und dein einziges Werkzeug ist das Protokoll.

Zählernummer schlägt Zählerstand

Das ist der wichtigste Satz dieses Textes. Ein Zählerstand ohne Zählernummer ist fast wertlos.

Die Zählernummer steht auf dem Gerät selbst, meist als aufgedruckte oder eingravierte Nummer über oder unter dem Zählwerk, oft mit einem Strichcode daneben. Sie ist eindeutig. Sie sagt: Dieses Gerät gehört zu dieser Wohnung.

Der Stand dagegen ist nur eine Zahl. Steht im Protokoll „Strom: 34.812 kWh“ und der Versorger rechnet mit einem völlig anderen Ausgangswert, lässt sich ohne Nummer nicht feststellen, ob abgelesen wurde, was du unterschrieben hast — oder das Gerät der Nachbarwohnung.

  • Zählernummer vollständig abschreiben, alle Ziffern, auch führende Nullen.
  • Stand ohne Nachkommastellen notieren, die roten Ziffern gehören nicht dazu.
  • Bei jedem Zähler dazuschreiben, wo er hängt: „Keller, Reihe rechts, zweiter von oben“.
  • Ein Foto machen, auf dem Nummer und Stand gemeinsam lesbar sind.

Wie das Ablesen selbst funktioniert, welche Zähler es gibt und wo sie hängen, steht ausführlich in Zählerstände beim Einzug richtig ablesen.

Die drei häufigsten Verwechslungen

Aus der Praxis sind es fast immer dieselben drei.

  1. Der falsche Zähler im Keller. In Mehrfamilienhäusern hängen sechs bis zwölf Zähler nebeneinander. Die Beschriftung stammt oft von einer Renovierung vor zwanzig Jahren und stimmt nicht mehr. Prüfen kannst du es mit einem einfachen Test: alle Sicherungen deiner Wohnung raus, Zähler beobachten, Sicherungen rein.
  2. Warmwasser und Kaltwasser vertauscht. Die Zähler sehen fast gleich aus. Merkmal ist meist ein roter oder blauer Ring. Wer sie vertauscht, zahlt am Ende Warmwasser zum Preis des tatsächlichen Verbrauchs an der falschen Stelle.
  3. Der Gaszähler der Zentralheizung. Wenn die Heizung zentral läuft, hat deine Wohnung keinen eigenen Gaszähler, sondern nur Heizkostenverteiler an den Heizkörpern. Wer trotzdem einen Gasstand ins Protokoll schreibt, hat den des ganzen Hauses notiert.

Was du tust, wenn der Stand zu hoch ist

Erst prüfen, dann schreiben. Vergleiche drei Dinge: den Stand im Protokoll, die Nummer im Protokoll und die Nummer auf deiner Rechnung. Passen die Nummern nicht zusammen, ist es eine Verwechslung. Passen sie zusammen und die Zahl weicht ab, wurde ein Übermittlungsfehler gemacht — oder der Vormieter hat einen eigenen, späteren Stand gemeldet.

Abrechnungsbogen mit Zahlenspalten, auf dem ein falscher Anfangszaehlerstand geprueft wird
Erst die Nummern vergleichen, dann schreiben. In dieser Reihenfolge.

Dann schreibst du dem Versorger. Sachlich, kurz, mit Anlage:

  • Kundennummer und Zählernummer im Betreff.
  • Der Satz, welcher Stand am Übergabetag abgelesen wurde, mit Datum.
  • Das Foto vom Zähler und die Seite aus dem Protokoll als Anhang.
  • Die Bitte, den Anfangswert zu korrigieren und die Rechnung neu zu stellen.

Parallel informierst du die Hausverwaltung. Nicht als Beschwerde, sondern zur Kenntnis. Verwaltungen haben oft den Meldebogen der Übergabe noch vorliegen und können den Stand bestätigen — das geht schneller als jede Diskussion mit einer Service-Hotline.

Zahlen oder nicht zahlen?

Eine strittige Rechnung einfach liegen zu lassen, führt zu Mahnungen und im schlimmsten Fall zur Sperrandrohung. Üblich ist, den unstrittigen Teil zu zahlen und dem Rest ausdrücklich zu widersprechen. Wie du im Einzelfall vorgehst, hängt vom Vertrag ab — das klärst du besser vorher, als es nachträglich zu reparieren.

Wenn gar kein Stand im Protokoll steht

Auch das kommt vor, besonders bei Übergaben, die schnell gehen mussten. Dann ist die Lage nicht aussichtslos, aber unbequemer.

Geh so schnell wie möglich in den Keller und lies alles ab, was zu deiner Wohnung gehört. Fotografiere jeden Zähler mit Nummer und Stand. Schick die Fotos noch am selben Tag mit Datum an Versorger und Verwaltung, mit dem Hinweis, dass du seit dem Übergabetag Mieter bist und der Stand jetzt aufgenommen wurde. Je kürzer der Abstand, desto weniger lässt sich bestreiten.

Und hol das Protokoll nach, wenn es keines gibt. Warum das auch Wochen später noch sinnvoll ist, steht in ohne Protokoll eingezogen.

Wer den Stand an den Versorger meldet

Hier gibt es ein hartnäckiges Missverständnis: Viele glauben, die Hausverwaltung erledige das. Meist tut sie das nicht. Sie meldet allenfalls, dass ein Mieterwechsel stattgefunden hat.

Klemmbrett mit Uebergabeprotokoll und eingetragenen Zaehlerstaenden in einer leeren Wohnung
Das Protokoll ist dein einziger Beleg, wenn die erste Rechnung nicht stimmt.

Die Meldung des Anfangsstands ist in aller Regel deine Aufgabe und die des Vormieters — jeder für seine Seite. Mach das in der ersten Woche, nicht im ersten Monat. Welche Verträge in welcher Reihenfolge drankommen, steht in Strom, Gas, Internet ummelden.

Eine sortierte Checkliste für den Übergabetag samt Zählerteil und Musterschreiben liegt im Komplett-Paket, damit du im Keller nicht überlegen musst, was du gerade brauchst.

Kurz zusammengefasst

Ein falscher Anfangsstand fällt erst mit der ersten Rechnung auf, und dann brauchst du Belege. Die wichtigste Angabe ist nicht der Stand, sondern die Zählernummer — sie sagt, welches Gerät gemeint ist. Notiere Nummer, Stand und Standort und mach ein Foto, auf dem Nummer und Zahl zusammen lesbar sind. Weicht die Rechnung ab, vergleichst du zuerst die Nummern und schreibst dann mit Foto und Protokollseite an den Versorger, mit Kopie an die Verwaltung. Und verlass dich nicht darauf, dass jemand anderes den Stand meldet — das ist in aller Regel deine Aufgabe. Was sonst noch in den Bogen gehört, steht in was ins Übergabeprotokoll gehört.

Zum Einordnen

Dieser Text beschreibt allgemeine Abläufe und übliche Regeln bei der Wohnungsübergabe. Er bewertet keinen Einzelfall. Wenn es bei dir um konkrete Ansprüche geht, lass das von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen.

Das passt dazu

Cookie-Einstellungen ändern