Welche Fragen du bei der Besichtigung besser nicht stellst
Sechs Fragetypen, die eine Bewerbung stillschweigend erledigen, warum sie so stark wirken und was du stattdessen fragen kannst.
Es gibt Sätze, nach denen eine Bewerbung innerlich schon erledigt ist, bevor die Unterlagen überhaupt angeschaut werden. Sie klingen harmlos. Manche sind sogar vernünftig. Aber sie lösen beim Gegenüber einen Gedanken aus, den du nicht mehr einfangen kannst: Mit dem wird es kompliziert.
Das ist kein Charaktertest und keine Schikane. Wer vermietet, hat aus zwanzig Bewerbern eine Wahl. Er nimmt den, bei dem er am wenigsten Ärger erwartet. Alles, was nach künftigem Aufwand klingt, wirkt deshalb stärker gegen dich, als es sollte.

Die Frage nach dem Preis
Lässt sich bei der Miete noch etwas machen? Diese Frage wird bei einer Besichtigung mit dreißig Interessenten praktisch nie mit Ja beantwortet, und sie kostet dich sofort Punkte. In einem Markt, in dem mehrere Leute die geforderte Miete zahlen wollen, ist Verhandeln kein Zeichen von Verhandlungsgeschick, sondern von knappem Budget.
Dasselbe gilt für Varianten davon: Sind die Nebenkosten verhandelbar, ist die Kaution auch in Raten möglich, geht es auch ohne Kaution. Der Punkt ist nicht, dass diese Fragen unberechtigt wären. Die Kaution in Raten zu zahlen ist sogar dein gutes Recht, und die Frage nach den Nebenkosten ist berechtigt. Nur ist die Besichtigung der falsche Ort dafür. Diese Themen gehören in das Gespräch nach der Zusage, nicht davor.
Die Frage, die nach Kritik klingt
Warum ist denn die Küche in so einem Zustand? Ist das nicht ein bisschen teuer für die Lage? Wurde hier seit den Achtzigern nichts gemacht?
Mängel darfst und sollst du erkennen. Aber sie im Raum zu kommentieren, bringt dir nichts. Der Eigentümer hört Kritik an seiner Wohnung, der Makler hört einen, der später reklamieren wird. Und die anderen Interessenten hören eine kostenlose Warnung.
Der bessere Weg: Du schaust genau hin, notierst dir alles und entscheidest zu Hause. Worauf du dabei achtest, steht in Mängel bei der Besichtigung erkennen. Nur wenn ein Mangel für deine Entscheidung wirklich entscheidend ist, fragst du sachlich nach — als Frage nach dem Zustand, nicht als Vorwurf. Also: Ist die Therme noch die ursprüngliche? Statt: Die ist ja uralt.
Die Forderung, die als Frage getarnt ist
Würden Sie vor dem Einzug noch streichen lassen? Kann der Teppich raus? Wird die Küche noch erneuert?

Jede dieser Fragen ist eine Bedingung. Und Bedingungen vor der Zusage sind der schnellste Weg aus der engeren Auswahl, weil daneben zwanzig Leute stehen, die keine stellen. Wenn dir etwas wirklich wichtig ist, fragst du neutral nach dem Ist-Zustand — und klärst Wünsche, wenn du die Wohnung hast.
Vor der Zusage fragst du, wie es ist. Nach der Zusage besprichst du, wie es sein soll. Wer diese Reihenfolge umdreht, verliert die Wohnung an jemanden, der sie einhält.
Die Fragen, die zu früh kommen
Manche Themen sind vollkommen legitim, aber im ersten Kontakt zu schwer. Dazu gehören Untervermietung, Homeoffice mit Kundenverkehr, eine Zweit-WG, ein geplantes Haustier, größere bauliche Wünsche.
Beim Haustier ist der Fall besonders heikel, weil Verschweigen keine Lösung ist. Wenn du einen Hund hast, gehört er in die erste Anfrage, nicht in die Besichtigung als Überraschung. Wie du das aufziehst, steht in eine Wohnung mit Hund finden. Was ein Vermieter beim Thema Tiere überhaupt verbieten darf, steht in Haustiere in der Mietwohnung.
Die Regel dahinter: Alles, was deine Bewerbung betrifft, sagst du früh und von selbst. Alles, was nur ein Wunsch für später ist, hebst du dir auf.
Die Fragen, die Unsicherheit zeigen
Wie viele Bewerber haben Sie denn schon? Was sind meine Chancen? Würden Sie mir die Wohnung geben?

Diese drei klingen nach Interesse, sind aber eine Bitte um Beruhigung. Und sie setzen dein Gegenüber in eine Rolle, in die er nicht will: Er müsste dich entweder vertrösten oder vor dreißig Leuten eine Vorentscheidung äußern. Beides ist unangenehm, und Unangenehmes bleibt hängen.
Ebenfalls in diese Gruppe gehört das Nachbohren zur Entscheidungszeit. Eine einzige sachliche Frage, bis wann du mit einer Rückmeldung rechnen kannst, ist in Ordnung und sogar sinnvoll. Zweimal nachfragen ist es nicht. Wie lange Stille nach einer Besichtigung normal ist, steht in keine Rückmeldung nach der Besichtigung.
Die persönliche Frage an den Falschen
Wohnt der Eigentümer selbst im Haus? Wie alt ist er? Verkauft er vielleicht bald? Wie viele Wohnungen haben Sie denn hier?
Solche Fragen wirken forschend und haben mit deiner Bewerbung nichts zu tun. Die eine Ausnahme ist die Frage, wer künftig dein Ansprechpartner ist — also der Eigentümer selbst oder eine beauftragte Hausverwaltung. Die ist sachlich und nützlich, weil sie etwas über deinen Alltag als Mieter sagt und darüber, wie schnell im Schadensfall jemand reagiert.
Was du stattdessen tust
Aus den Verboten folgt eine kurze positive Liste. Drei Dinge machen die Besichtigung gut, ohne dass du taktieren musst.
- Frag nach dem Zustand, nicht nach der Veränderung.
- Frag nach dem Haus und den Menschen darin, nicht nach deinen Chancen.
- Frag nach dem nächsten Schritt: bis wann die Unterlagen gebraucht werden und in welcher Form.
Welche Frage dabei am stärksten wirkt, steht in mit einer Frage in Erinnerung bleiben. Wenn du dir die passenden Formulierungen für Anfrage und Nachfassen nicht jedes Mal neu ausdenken willst, sind sie in den Zusage-Vorlagen für 19 Euro fertig hinterlegt.
Kurz zusammengefasst
Schädlich sind Fragen, die Aufwand ankündigen, Kritik enthalten, eine Bedingung verstecken oder um Beruhigung bitten. Also keine Preisverhandlung, keine Kommentare zum Zustand, keine Renovierungswünsche und keine Frage nach deinen Chancen. Themen wie Kaution in Raten, Untervermietung oder Umbauten sind berechtigt, gehören aber in das Gespräch nach der Zusage. Vor der Zusage fragst du, wie es ist. Danach besprichst du, wie es sein soll. Und wenn ein Punkt deine Bewerbung wirklich betrifft, etwa ein Hund, sagst du ihn früh und von selbst — nicht als Überraschung im Flur.
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- Was du im Anschreiben auf keinen Fall schreiben solltest
- Du hast die Zusage: was jetzt sofort zu tun ist
- Unterlagen nachreichen: so rettest du eine unvollständige Bewerbung
- Was ziehst du zur Wohnungsbesichtigung an?
- Die Wohnung in zehn Minuten richtig prüfen
- Erstkontakt per WhatsApp: geht das bei einer Wohnung?