Zwei Wohnungen gleichzeitig zusagen: was dann wirklich passiert
Nach Wochen ohne Erfolg kommen plötzlich zwei Zusagen an einem Tag. Der Reflex ist, beide anzunehmen und später zu entscheiden. Warum das teuer werden kann und wie du es besser löst.
Wochenlang passiert nichts. Dann kommen an einem Dienstag zwei Zusagen. Eine ist schöner, die andere sicherer. Und beide wollen bis Freitag eine Antwort.
Der Reflex ist verständlich: beide zusagen, keine verlieren, in Ruhe entscheiden. Das ist der Punkt, an dem aus einer guten Woche ein teures Problem werden kann.

Eine Zusage ist nicht nur ein netter Satz
Ein Mietvertrag braucht keine Unterschrift, um zu gelten. Er kommt zustande, wenn sich beide Seiten über das Wesentliche einig sind: welche Wohnung, welche Miete, ab wann.
Das kann auch mündlich passieren, am Telefon oder per Mail. Für Verträge über mehr als ein Jahr ist zwar Schriftform vorgesehen — fehlt sie, ist der Vertrag aber nicht ungültig. Er gilt dann als unbefristet. Was das im Einzelnen bedeutet, ordnet der Text zur mündlichen Zusage ein.
Übersetzt heißt das: Wer zwei Wohnungen zusagt, kann zwei Mietverhältnisse haben. Und aus zwei Mietverhältnissen folgt zweimal Miete.
Was konkret passieren kann
- Doppelte Mietzahlung. Wenn beide Verhältnisse wirksam sind, schuldest du beide Mieten, bis eines endet.
- Kündigungsfrist. Auch ein Vertrag, in den du nie eingezogen bist, endet nicht einfach. Für Mieter gilt in der Regel eine Frist von drei Monaten. Mehr dazu in dem Text zu den Kündigungsfristen.
- Schadensersatz. Springt jemand nach einer festen Zusage kurzfristig ab, kann die Gegenseite Kosten geltend machen, die im Vertrauen darauf entstanden sind — etwa ein erneutes Inserat.
- Dein Ruf im Markt. Das wird unterschätzt. Verwaltungen und Makler in einer Stadt kennen sich. Wer einmal zugesagt und dann nicht reagiert hat, steht beim nächsten Mal nicht mehr oben.
Ich habe selbst erlebt, wie ein Bewerber zwei Wohnungen bei zwei Verwaltungen zugesagt hat. Beide Häuser gehörten demselben Eigentümer. Das kam innerhalb eines Tages heraus.
Wo die Grenze wirklich verläuft
Damit keine falsche Vorsicht entsteht — hier ist die wichtige Unterscheidung:
Erlaubt und völlig normal: dich auf beliebig viele Wohnungen bewerben. Zu beliebig vielen Besichtigungen gehen. Bei mehreren Vermietern in der engeren Auswahl stehen. Bei zwei Wohnungen Interesse zeigen und um Bedenkzeit bitten.
Heikel: zweimal verbindlich zusagen. Zweimal „ja, ich nehme sie“ sagen. Zwei Verträge unterschreiben.
Der Unterschied liegt im Wort. Solange du Interesse bekundest, bindest du dich nicht. Sobald du annimmst, schon.
„Über die Zusage freue ich mich sehr. Ich habe noch einen zweiten Termin und melde mich bis morgen Mittag verbindlich bei Ihnen.“ Das ist ehrlich, professionell und bindet dich nicht. In meiner Erfahrung reagieren die meisten Vermieter darauf gelassen. Wer daraufhin sofort absagt, hätte auch sonst Druck gemacht.
Was du stattdessen tust
- Beide Fristen erfragen. Bis wann braucht jede Seite eine Antwort? Oft sind die Fristen weicher, als sie klingen.
- Die Gesamtkosten nebeneinanderlegen. Kaltmiete, Nebenkosten, Kaution, Ablöse, Fahrtkosten. Die schönere Wohnung ist nicht immer die günstigere.
- Beim Zweifelsfall auf die Vertragsbedingungen schauen. Staffelmiete, Kündigungsverzicht, Schönheitsreparaturen. Das kostet später mehr als zehn Quadratmeter Unterschied.
- Entscheiden — und beiden Bescheid geben. Auch der Absage. Ein Zweisätzer reicht.
- Erst danach die alte Wohnung kündigen. Nie vorher.
Was nach der Entscheidung sofort zu tun ist, steht in Du hast die Zusage: was jetzt sofort zu tun ist.

Wenn es schon passiert ist
Dann hilft kein Aussitzen. Aussitzen macht es teurer.
- Sofort anrufen, nicht mailen. Bei der Wohnung, die du nicht nimmst. Am selben Tag.
- Offen sein. Du hast zugesagt, du hast dich anders entschieden, du bittest um eine einvernehmliche Aufhebung. Kein Drumherum.
- Beim Nachfolger helfen. Biete an, dass die Wohnung sofort wieder angeboten werden kann und du keinen Anspruch erhebst.
- Das Ergebnis schriftlich festhalten. Eine Mail mit zwei Sätzen, in der steht, dass ihr euch einig seid.
In der Praxis gehen die meisten Vermieter darauf ein, wenn du früh und offen bist. Eine Wohnung ist schnell wieder vergeben, solange die Interessentenliste noch aktuell ist. Genau deshalb zählt jeder Tag.
Umgekehrt kennt jeder Suchende auch den anderen Fall: Der Vermieter zieht seine Zusage zurück. Was dann gilt, steht in diesem Text.
Der Denkfehler hinter der Doppelzusage
Dahinter steckt fast nie Berechnung. Dahinter steckt Angst.
Wer wochenlang nur Absagen bekommen hat, traut der guten Nachricht nicht mehr. Die zweite Zusage fühlt sich an wie eine Versicherung gegen den Fall, dass die erste doch noch platzt. Diese Angst ist nach so einer Suche völlig nachvollziehbar.
Nur löst sie das Problem nicht, sondern verschiebt es. Aus einer Unsicherheit für drei Tage wird eine Verpflichtung für drei Monate. Und in der Zwischenzeit hat eine andere Familie die Wohnung nicht bekommen, die du am Ende gar nicht nimmst.
Der bessere Umgang mit dieser Angst ist unbequemer und billiger: eine Zusage annehmen, die andere absagen, und den Rest der Woche damit verbringen, die Übergabe vorzubereiten statt zu grübeln.
Kurz zusammengefasst
- Ein Mietvertrag kann auch ohne Unterschrift zustande kommen — eine Zusage ist deshalb mehr als Höflichkeit.
- Zwei Zusagen können zwei Mietverhältnisse und damit doppelte Miete bedeuten.
- Sich überall bewerben ist erlaubt. Überall verbindlich annehmen ist das Problem.
- Bitte offen um kurze Bedenkzeit, statt vorsorglich zuzusagen.
- Ist es passiert: sofort anrufen, um eine einvernehmliche Aufhebung bitten, Ergebnis schriftlich festhalten.
- Die alte Wohnung erst kündigen, wenn die Entscheidung endgültig ist.
Dieser Text stellt allgemeine Regeln dar und richtet sich an alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: September 2026.
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