Jobwechsel mit Gehaltssprung beim Vermieter nachweisen
Neuer Job, deutlich mehr Geld, aber alte Abrechnungen: so belegst du das höhere Einkommen, bevor die erste Abrechnung überhaupt da ist.
Du hast unterschrieben. Ab dem Ersten verdienst du 700 Euro netto mehr. Und ausgerechnet jetzt findest du die Wohnung, für die genau dieses Geld reicht. Nur: In deinen drei Gehaltsabrechnungen steht noch das alte Gehalt. Nach dem alten Gehalt reicht es nicht.
Das ist eine der ärgerlichsten Situationen bei der Wohnungssuche, weil sie rein zeitlich ist. Sachlich kannst du dir die Wohnung leisten. Nur der Nachweis hinkt hinterher. Lösbar ist das – aber nicht, indem du die alten Abrechnungen weglässt und hoffst.

Mit welchem Betrag gerechnet wird
Die kurze Antwort: mit dem Betrag, der am besten belegt ist. Wenn du nur alte Abrechnungen einreichst, wird mit dem alten Gehalt gerechnet. Nicht aus Bosheit, sondern weil es die einzige belegte Zahl ist.
Ein unterschriebener Arbeitsvertrag mit dem neuen Bruttogehalt ändert das. Er ist ein verbindliches Dokument und wird in der Praxis anerkannt – oft sogar als stärker angesehen als eine einzelne Abrechnung, weil er auch Laufzeit, Probezeit und Kündigungsfristen zeigt. Was Vermieter grundsätzlich als Nachweis akzeptieren, steht in Der Einkommensnachweis für die Wohnung.
Ein Problem bleibt: Im Vertrag steht brutto, geprüft wird netto. Diese Übersetzung musst du selbst mitliefern.
Vom Brutto zum Netto: die Zeile, die du dazuschreibst
Rechne dein künftiges Netto mit einem Gehaltsrechner aus, mit deiner Steuerklasse, deinem Bundesland und deiner Kirchensteuerpflicht. Schreib das Ergebnis in einer Zeile unter den Vertrag oder auf dein Einkommensblatt:

Bruttogehalt laut Arbeitsvertrag: 4.200 € monatlich. Daraus ergibt sich bei Steuerklasse I, ohne Kirchensteuer, ein Nettoeinkommen von rund 2.640 €. Die erste Abrechnung reiche ich nach.
Der letzte Halbsatz ist wichtig. Er sagt: Ich weiß, dass hier ein Beleg fehlt, und ich liefere ihn nach. Wie du Nachreichen sauber organisierst, ohne dass die Bewerbung in der Zwischenzeit durchfällt, steht in Unterlagen nachreichen.
Nimm keine Boni, keine Provision, keine Überstundenpauschale in die Zahl. Nur das feste Grundgehalt. Wenn deine erste echte Abrechnung später höher ausfällt als angekündigt, ist das ein guter Tag. Fällt sie niedriger aus, stehst du als jemand da, der zu optimistisch gerechnet hat – und das bleibt hängen.
Das Paket, das du in dieser Situation abgibst
- Der unterschriebene neue Arbeitsvertrag, mit geschwärzten Passagen, die nicht zur Vergütung gehören
- Die letzten drei Abrechnungen aus dem alten Job – ja, auch die
- Deine Nettoberechnung als eine Zeile, wie oben
- Falls schon möglich: eine Arbeitgeberbescheinigung des neuen Arbeitgebers
- Eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung deines bisherigen Vermieters
Die alten Abrechnungen wegzulassen, ist der häufigste Fehler in dieser Lage. Sie beweisen, dass du vorher schon regelmäßig Gehalt bekommen hast. Ohne sie sieht es aus, als hättest du gar keine Historie. Mit ihnen sieht es aus wie ein Aufstieg.
Die Probezeit, über die niemand gern spricht
Ein neuer Vertrag bedeutet fast immer neue Probezeit, und in der Probezeit gilt eine kurze Kündigungsfrist. Das ist der eigentliche Einwand hinter dem freundlichen Nachhaken. Verschweigen bringt nichts, denn es steht im Vertrag, den du gerade selbst eingereicht hast.

Besser: ansprechen und abfedern. Das geht über eine Bürgschaft, über eine belegte Rücklage oder über deine Berufsbiografie, wenn du in derselben Branche bleibst und lange Beschäftigungszeiten vorweisen kannst. Wie du das aufbereitest, steht in Wohnung mieten in der Probezeit.
Was du nicht tun solltest
- Das alte Gehalt in die Selbstauskunft schreiben und hoffen, dass es reicht. Wenn es nicht reicht, bist du raus, bevor jemand den Vertrag sieht.
- Das neue Gehalt eintragen, ohne es zu belegen. Eine Zahl ohne Papier ist in der Prüfung wertlos und bei größeren Abweichungen ein echtes Problem.
- Ein Bonusziel mitrechnen. Variable Bestandteile gehören nicht in die Grundzahl. Erwähne sie höchstens als Nebensatz.
- Den Vertrag ungeschwärzt einreichen. Vergütung, Laufzeit, Probezeit, Kündigungsfrist reichen. Wettbewerbsverbote, Zielvereinbarungen und Nebenabreden gehen niemanden etwas an.
Wenn der Wechsel auch den Ort ändert
Oft hängt der Jobwechsel mit dem Umzug zusammen – du ziehst wegen der Stelle. Das ist ein Vorteil, den du nennen solltest. Ein Umzug mit klarem Anlass wirkt planbarer als einer ohne. Ein Satz genügt: „Ich ziehe wegen der neuen Stelle nach Musterstadt, Arbeitsbeginn ist der 1. des Monats.“
Wie du aus der Ferne bewirbst, ohne an der Entfernung zu scheitern, steht in Wohnungssuche aus einer anderen Stadt. Anschreiben, Einkommensblatt und die passenden Vertragsunterlagen für diese Situation liegen fertig im Komplett-Paket.
Kurz zusammengefasst
Gerechnet wird mit dem Betrag, der belegt ist – also sorg dafür, dass der neue belegt ist. Der unterschriebene Arbeitsvertrag ist dein Hauptdokument, ergänzt um eine konservative Nettoberechnung in einer Zeile. Die alten Abrechnungen bleiben trotzdem in der Mappe, weil sie deine Historie zeigen. Sprich die neue Probezeit selbst an und federe sie ab. Und nenn den Umzugsgrund, wenn der Job ihn liefert. Rechne dein Netto heute aus und schreib die Zeile – das dauert zehn Minuten und entscheidet die nächste Bewerbung.
Dieser Text beschreibt allgemeine Abläufe und typische Regeln am Mietmarkt. Er bewertet keinen Einzelfall. Wenn es bei dir um konkrete Ansprüche geht, lass das von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen.
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