Bonität und Nachweise

Die Drittel-Regel: wie viel Miete traut dir ein Vermieter zu?

Die Kaltmiete soll höchstens ein Drittel des Nettoeinkommens ausmachen — so lautet die Faustformel. Sie steht in keinem Gesetz. Was dahintersteckt, wo sie hakt und was du tun kannst, wenn du sie nicht erfüllst.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Es gibt eine Rechnung, die in fast jedem Bewerbungsgespräch im Hintergrund läuft, auch wenn niemand sie ausspricht. Sie geht so: Nettoeinkommen durch drei. Was dabei herauskommt, ist die Miete, die man dir zutraut.

Diese Rechnung solltest du kennen, bevor jemand anders sie auf dich anwendet.

Taschenrechner und Zahlenspalte: Die Drittel-Regel bei Miete und Einkommen ist eine Faustformel, kein Gesetz
Kein Gesetz schreibt sie vor. Trotzdem rechnet fast jeder danach.

Das Wichtigste zuerst: es ist kein Gesetz

Die Drittel-Regel steht in keinem Gesetzbuch. Keine Behörde gibt sie vor. Kein Vermieter ist daran gebunden, weder nach oben noch nach unten.

Sie ist eine Faustformel aus der Praxis, entstanden aus Erfahrung. Genau deshalb wird sie auch unterschiedlich gehandhabt. Der eine rechnet mit der Kaltmiete, der andere mit der Warmmiete. Der eine mit einem Drittel, der andere mit vierzig Prozent.

Das heißt für dich: Wer dir sagt, deine Miete dürfe exakt einen bestimmten Betrag nicht überschreiten, beruft sich auf Gewohnheit, nicht auf Recht.

So wird üblicherweise gerechnet

Die verbreitetste Fassung lautet: Die Kaltmiete soll höchstens ein Drittel des monatlichen Nettoeinkommens des Haushalts betragen.

Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens: netto, nicht brutto. Zweitens: der ganze Haushalt, also alle Einkommen zusammen, die in den Vertrag kommen.

Haushaltsnetto im Monat Kaltmiete nach der Faustformel
1.800 € rund 600 €
2.400 € rund 800 €
3.000 € rund 1.000 €
3.600 € rund 1.200 €
4.500 € rund 1.500 €

Andersherum gerechnet, und so brauchst du es meistens: Nimm die Kaltmiete der Wohnung und multipliziere sie mit drei. Das ist das Haushaltsnetto, das üblicherweise erwartet wird.

Handgezeichnete Kostentabelle: So wird die Drittel-Regel aus Miete und Einkommen üblicherweise gerechnet
Nettokaltmiete mal drei gegen Nettoeinkommen. Mehr steckt selten dahinter.
Kalt oder warm — frag lieber nach

Der größte Unterschied zwischen zwei Vermietern liegt oft nicht in der Quote, sondern in der Bezugsgröße. Wer mit der Warmmiete rechnet, kommt bei derselben Wohnung auf eine deutlich höhere Einkommensanforderung. Wenn es bei dir knapp wird, lohnt sich die freundliche Frage, wie gerechnet wird.

Warum es diese Regel überhaupt gibt

Sie schützt beide Seiten, und das ist kein Werbespruch, sondern ein praktischer Punkt.

Ein Vermieter will keine Mietrückstände. Mietrückstände bedeuten Ärger, Kosten und im schlimmsten Fall ein langes Verfahren. Wer an der Belastungsgrenze wohnt, gerät bei der ersten Autoreparatur ins Rutschen.

Und aus deiner Sicht? Eine Wohnung, die dich finanziell auffrisst, macht auf Dauer keinen Spaß. Ich habe Menschen erlebt, die eine zu teure Wohnung genommen haben und nach einem Jahr wieder ausziehen mussten. Der ganze Aufwand noch einmal von vorn.

Wo die Regel nicht funktioniert

Sie ist eine Faustformel, und Faustformeln haben Grenzen. Drei sind offensichtlich.

Bei hohen Einkommen ist sie zu streng

Wer sehr gut verdient, hat nach der Miete auch dann genug übrig, wenn sie mehr als ein Drittel ausmacht. Die Regel rechnet mit Anteilen, nicht mit dem, was tatsächlich zum Leben bleibt.

Bei niedrigen Einkommen ist sie unerfüllbar

In vielen Städten gibt es schlicht keine Wohnungen, die für ein kleines Einkommen ein Drittel wären. Die Regel beschreibt dann nicht das Risiko, sondern nur die Lage auf dem Markt.

Sie ignoriert deine übrigen Verpflichtungen

Zwei Haushalte mit demselben Netto können völlig verschieden dastehen. Der eine hat einen Autokredit und Unterhaltszahlungen, der andere nichts davon. Die Faustformel sieht das nicht.

Was du tun kannst, wenn es knapp wird

  • Rechne zuerst selbst nach. Wenn du weißt, dass es knapp ist, gehst du anders in das Gespräch — vorbereitet statt überrascht.
  • Zähl alle Einkommen zusammen, die in den Vertrag kommen. Viele rechnen nur mit dem größeren und liegen deshalb zu niedrig.
  • Belege alles, was regelmäßig hereinkommt. Unterhalt, Kindergeld, Nebenjob, Mieteinnahmen. Was du nicht belegst, zählt nicht. Was dabei anerkannt wird, steht unter Einkommensnachweis für die Wohnung.
  • Zeig, dass du wenig Verpflichtungen hast. Wer keine laufenden Kredite hat, kann das sagen. Das ist genau die Information, die der Faustformel fehlt.
  • Bring eine Bürgschaft mit. Sie verschiebt die Frage vom Einkommen auf die Sicherheit.
  • Weis Rücklagen nach. Mehrere Monatsmieten auf der Seite beruhigen mehr als ein paar Prozentpunkte.

Was ich mache, wenn es rechnerisch nicht aufgeht

Ich lege die Bewerbung nicht automatisch weg. Ich schaue, was daneben steht.

Wenn jemand knapp unter der Formel liegt, aber ein unbefristetes Arbeitsverhältnis seit Jahren, keine laufenden Kredite und eine Bestätigung des Vormieters über pünktliche Zahlung vorlegt, ist das für mich ein anderer Fall als jemand mit derselben Zahl und einer leeren Mappe.

Und ich sage auch offen: Wenn es sehr deutlich nicht passt, tue ich niemandem einen Gefallen, indem ich es trotzdem durchdrücke. Eine Wohnung, die dauerhaft zu teuer ist, wird für beide Seiten ein Problem.

Rechne auch für dich selbst

Die Faustformel ist grob, aber sie ist als Warnlampe nützlich. Wenn du deutlich darüber liegst, schau dir deine eigene Rechnung an: Was bleibt nach Miete, Nebenkosten, Strom, Versicherungen und Lebenshaltung übrig? Reicht das für unvorhergesehene Ausgaben?

Diese Frage stellt dir sonst niemand, und sie ist am Ende wichtiger als das, was ein Vermieter denkt.

Was bei frischem Arbeitsvertrag oder Befristung zusätzlich zu beachten ist, steht unter Wohnung mieten in der Probezeit. Wie du als Selbstständiger rechnest, erklärt der Text zum Einkommensnachweis als Selbstständiger.

Ein Rechenweg, der ehrlicher ist

Die Faustformel ist grob. Wenn du es genauer wissen willst, rechne einmal selbst durch, und zwar so.

  1. Nimm dein monatliches Haushaltsnetto, alle Einkommen zusammen.
  2. Zieh alle festen Verpflichtungen ab: Kredite, Leasingraten, Unterhalt, Versicherungen, Kita, Abos.
  3. Zieh die laufenden Wohnkosten neben der Kaltmiete ab: Nebenkosten, Strom, Internet, Rundfunkbeitrag.
  4. Zieh eine realistische Summe für Lebenshaltung ab: Lebensmittel, Mobilität, Kleidung, Gesundheit.
  5. Was übrig bleibt, ist dein Spielraum für die Kaltmiete — und das, was du für Unvorhergesehenes zurücklegen kannst.

Diese Rechnung fällt oft anders aus als die Faustformel, in beide Richtungen. Wer keine Kredite hat, liegt regelmäßig besser da, als ein Drittel vermuten lässt. Wer ein Auto finanziert und Unterhalt zahlt, deutlich schlechter.

Der eigentliche Wert dieser Rechnung liegt aber woanders: Du kannst sie im Gespräch verwenden. Wer sagen kann „ich habe keine laufenden Verpflichtungen, es bleiben monatlich so und so viel“, argumentiert mit etwas, das die Faustformel gar nicht sieht.

Wenn eine Wohnung für dich zu teuer ist

Dann ist das keine Niederlage, sondern eine Information. Und sie ist früh nützlicher als spät.

Der teuerste Fehler in angespannten Märkten ist, sich in eine Wohnung zu verlieben, die man sich nicht leisten kann, und sechs Wochen darauf zu verwenden. In dieser Zeit sind die passenden Wohnungen an andere gegangen.

Deshalb: Rechne einmal aus, welche Kaltmiete für dich funktioniert, und filtere danach. Das klingt unromantisch. Es ist aber der Unterschied zwischen einer Suche mit Ergebnis und einer Suche mit Frust.

Kurz zusammengefasst

  • Die Drittel-Regel ist eine Faustformel der Praxis, kein Gesetz.
  • Üblich: Kaltmiete höchstens ein Drittel des Haushaltsnettos. Manche rechnen mit der Warmmiete.
  • Kaltmiete mal drei ergibt das Einkommen, das üblicherweise erwartet wird.
  • Sie ignoriert deine übrigen Verpflichtungen und die Lage am Markt.
  • Wird es knapp, helfen belegte Zusatzeinkommen, fehlende Kredite, Rücklagen und eine Bürgschaft.
Zum Einordnen

Dieser Text erklärt allgemeine Regeln für alle Leser. Er bewertet nicht deinen einzelnen Fall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 23.09.2026.

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