Bewerben und Besichtigen

Feuchtigkeit und Schimmel bei der Besichtigung erkennen

Schimmel wird vor der Besichtigung überstrichen, weggelüftet und zugestellt. Woran du Feuchtigkeit trotzdem erkennst — mit Nase, Taschenlampe und ein paar Stellen, die kaum jemand prüft.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Frisch gestrichene Wand, Fenster weit offen, ein Duftspender im Flur. Klingt nach Sorgfalt vor dem Besichtigungstermin. Kann es auch sein. Manchmal ist es aber genau das, was es zu sein scheint: eine Stelle, die verschwinden sollte, bevor jemand hinschaut.

Feuchtigkeit ist der Mangel, der dich am teuersten zu stehen kommt. Sie macht krank, sie kostet Möbel, und sie führt zu Streit, bei dem am Ende meistens die Frage steht, ob du falsch gelüftet hast. Deshalb lohnt es sich, bei der Besichtigung genau dafür zwei Minuten zu opfern.

Feuchte Zimmerecke mit gelöster Tapete: So lässt sich Schimmel bei der Besichtigung erkennen
Der Geruch ist das ehrlichste Signal. Er lässt sich nicht überstreichen.

Die Nase zuerst

Das zuverlässigste Werkzeug hast du dabei. Geh als eine der Ersten in die Wohnung, bevor dreißig Leute mit Jacken und Parfüm die Luft verändern. Atme im Flur einmal tief ein.

Modrig, erdig, muffig — ein Geruch wie in einem alten Keller. Wenn du den wahrnimmst, ist irgendwo Feuchtigkeit, auch wenn du nichts siehst. Schimmel wächst häufig hinter Tapeten, unter Bodenbelägen oder in Wandaufbauten, lange bevor er sichtbar wird.

Ein starker Duft von Reinigungsmittel, Farbe oder Raumspray ist kein Beweis für ein Problem. Aber es ist ein Grund, genauer hinzuschauen.

Die Stellen, an denen es zuerst auftritt

Feuchtigkeit ist berechenbar. Sie schlägt sich dort nieder, wo eine Fläche kälter ist als die Raumluft. Diese Stellen sind fast immer dieselben:

  • Außenwandecken, besonders in Nordräumen und hinter Möbeln.
  • Fensterlaibungen, also die schmalen Flächen rings um das Fenster, und die Fensterbank von unten.
  • Übergang Wand zu Decke an der Außenseite des Gebäudes.
  • Hinter Heizkörpern und in Nischen unter Fenstern.
  • Bad: Silikonfugen, Duschecke, Deckenrand, Bereich hinter der Toilette.
  • Küche: hinter Spüle und Kühlschrank, Unterschrank unter dem Spülbecken.
  • Keller und Abstellraum, falls du hinkommst. Was dort los ist, sagt viel über das ganze Haus.

Nimm die Taschenlampe deines Handys und leuchte flach über die Wand, nicht frontal. Im Streiflicht siehst du Wellen, Blasen und Ausbesserungen, die bei normalem Licht unsichtbar sind.

Die Zeichen, die du auch ohne Schimmel siehst

Oft ist der Schimmel entfernt, das Problem aber nicht. Folgende Spuren bleiben:

  • Frisch gestrichene Einzelflächen. Wenn eine Ecke heller ist als der Rest, wurde dort etwas überstrichen.
  • Wellige oder sich lösende Tapete, besonders an Kanten und Sockelleisten.
  • Salzartige, weiße Ausblühungen an Wänden im Erdgeschoss oder Keller. Das ist aufsteigende Feuchtigkeit.
  • Abplatzender Putz oder bröseliger Sockel.
  • Verfärbte, dunkle Silikonfugen, die sich nicht wegwischen lassen.
  • Beschlagene Fensterscheiben oder Wasser auf der Fensterbank, wenn draußen kein Regen war.
  • Ein Schrank oder ein Bild, das ungewöhnlich platziert ist. Möbel vor Außenwandecken sind selten zufällig.
Der Handrücken-Test

Leg den Handrücken flach an die Außenwand in der Zimmerecke und danach an eine Innenwand. Spürst du einen deutlichen Unterschied in der Kälte, ist die Außenwand schlecht gedämmt. Genau dort entsteht später Kondenswasser — und daraus Schimmel.

Warum die Wohnung beim Termin so gut gelüftet ist

Offene Fenster bei einer Besichtigung sind normal und erst einmal harmlos. Sie machen aber zwei Dinge unsichtbar: den Geruch und die Luftfeuchtigkeit. Wenn alle Fenster im Winter weit offen stehen, kannst du beides nicht beurteilen.

Weit geöffnetes Fenster: Die frisch gelüftete Wohnung macht es schwer, Schimmel bei der Besichtigung zu erkennen
Eine frisch gelüftete Wohnung verrät weniger. Komm ein zweites Mal.

Falls es die Situation zulässt, schließ ein Fenster in einem Raum für eine Minute und riech noch einmal. Bei einem Sammeltermin ist das oft nicht möglich. Dann bleibt dir der Blick auf die Spuren — und die Möglichkeit, bei einem zweiten Termin gezielt wiederzukommen.

Die Ursache macht den Unterschied

Für dich als Mieter ist entscheidend, woher die Feuchtigkeit kommt, denn davon hängt ab, wer sie beseitigen muss und wie viel Ärger daraus wird.

  • Baumangel: aufsteigende Feuchtigkeit, Wärmebrücken, undichtes Dach, defekte Leitung. Das ist Sache des Vermieters.
  • Nutzung: zu wenig Lüften, Wäsche in der Wohnung trocknen, Möbel dicht an kalten Außenwänden. Das ist Sache des Mieters.
  • Beides zusammen: der häufigste Fall in der Praxis — und der häufigste Streitpunkt, weil beide Seiten auf die jeweils andere zeigen.

Genau deshalb ist eine Wohnung mit sichtbaren Feuchtigkeitsspuren riskant, selbst wenn dir zugesagt wird, dass „das behoben wird“. Ohne schriftliche Festlegung stehst du später in einer Diskussion, in der du beweisen musst, dass es nicht an dir lag.

Wenn du die Wohnung trotzdem willst

Das kann eine vernünftige Entscheidung sein, gerade wenn du lange suchst. Dann aber mit diesen drei Schritten:

  1. Fotografieren, mit Datum. Jede Stelle, auch die kleinen. Vor dem Einzug, nicht danach.
  2. Ins Übergabeprotokoll. Jede Feuchtigkeitsspur wird einzeln benannt und beschrieben. „Wohnung in gutem Zustand“ reicht nicht.
  3. Zusagen in den Vertrag. Wenn der Vermieter etwas beseitigen will, gehört das mit Frist schriftlich in den Mietvertrag oder in eine Anlage dazu.

Mündliche Absprachen sind grundsätzlich wirksam, aber im Streitfall wertlos, wenn niemand sie beweisen kann. Warum das so ist, steht in Ist eine mündliche Zusage für die Wohnung bindend.

Fragen, die du stellst, wenn du etwas gefunden hast

Nicht vor der ganzen Gruppe, sondern ruhig und nebenbei. Drei Fragen bringen dich weiter:

  • „Wurde hier vor Kurzem gestrichen, und gab es einen Anlass dafür?“ Die Antwort ist oft erstaunlich offen.
  • „Gab es in der Wohnung oder im Haus schon einmal einen Wasserschaden?“ Auch ein Schaden bei den Nachbarn kann deine Wand betreffen.
  • „Wie wird in der Wohnung gelüftet — gibt es eine Lüftungsanlage oder Fensterlüftung?“ Bei dicht sanierten Altbauten ist das ein echter Punkt, weil neue Fenster den Luftaustausch stark verringern.

Der zweite Termin

Wenn du in der engeren Wahl bist, frag nach einem zweiten, kürzeren Termin. Das ist üblich und wird selten abgelehnt — und du bist dann meistens allein in der Wohnung.

Dann prüfst du genau die Dinge, die beim Sammeltermin nicht gingen: Fenster schließen und noch einmal riechen. Hinter Schränke und Vorhänge schauen. In den Keller und in den Abstellraum. Die Fensterlaibungen mit der Taschenlampe absuchen. Und wenn möglich zu einer anderen Tageszeit kommen, weil sich Licht, Lärm und Geruch über den Tag verändern.

Der zweite Termin ist nebenbei auch dein bestes Bewerbungsinstrument. Wer noch einmal kommt, zeigt ernsthaftes Interesse — und genau darauf achtet die Person, die am Ende entscheidet.

Kurz zusammengefasst

Erst riechen, dann mit Streiflicht die typischen Stellen prüfen: Außenwandecken, Fensterlaibungen, Bad, hinter Möbeln. Achte auf frisch gestrichene Einzelflächen, wellige Tapete und dunkle Fugen. Der Handrücken verrät dir kalte Außenwände. Wenn du zugreifst, dann mit Fotos, Übergabeprotokoll und schriftlichen Zusagen. Den Rest der Prüfrunde findest du in Mängel bei der Besichtigung erkennen und in der Checkliste zur Wohnungsbesichtigung.

Stand und Hinweis

Stand: September 2026. Dieser Text stellt allgemeine Regeln dar und richtet sich an die Allgemeinheit. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine individuelle Prüfung deiner Situation.

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