Besondere Situationen

Ohne deutsche Bonitätshistorie: was du stattdessen vorlegst

Keine SCHUFA, kein deutscher Vorvermieter, kein deutsches Konto. Welche Papiere an die Stelle treten und wie du sie so aufbereitest, dass sie gelesen werden.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Im Bewerbungsformular steht „SCHUFA-Auskunft (Pflichtfeld)“. Du hast keine. Nicht weil du etwas falsch gemacht hättest, sondern weil du noch nicht lange genug in Deutschland bist, damit überhaupt Daten über dich existieren.

Das ist eine der frustrierendsten Situationen auf dem Wohnungsmarkt: Du wirst für etwas aussortiert, das nicht deine Schuld ist und das du auch nicht schnell reparieren kannst.

Koffer im Flur: Ohne deutsche Bonitätsauskunft brauchst du Ersatzpapiere für die Wohnung
Der Vermieter will eine Frage beantwortet haben. Das Papier ist ihm egal.

Was der Vermieter mit der Auskunft eigentlich will

Aus meiner Erfahrung auf der Sortierseite: Die wenigsten Vermieter lesen eine Bonitätsauskunft wirklich. Sie schauen auf zwei Dinge – gibt es Einträge, und ist das Papier aktuell. Was sie eigentlich beantwortet haben wollen, ist eine ganz andere Frage:

  • Kommt regelmäßig Geld herein?
  • Hat diese Person in der Vergangenheit Miete gezahlt?
  • Gibt es offene Schulden, die mir gefährlich werden könnten?
  • Und wenn etwas schiefgeht, ist noch jemand da?

Die Bonitätsauskunft ist nur die bequemste Abkürzung zu diesen vier Antworten. Wenn du die Abkürzung nicht hast, musst du die Antworten direkt liefern. Das ist mehr Arbeit – aber es ist machbar.

Die Ersatzpapiere, Antwort für Antwort

Frage des Vermieters Was du stattdessen vorlegst
Kommt Geld herein? Arbeitsvertrag oder Zusage des Arbeitgebers, erste Abrechnungen, bei Selbständigen Aufträge und Kontoeingänge, bei Studierenden Stipendium oder Verpflichtungserklärung
Wurde bisher Miete gezahlt? Bestätigung des bisherigen Vermieters aus dem Herkunftsland, plus Kontoauszüge mit markierten Mietzahlungen
Gibt es Schulden? Ausländische Bonitätsauskunft, wenn es sie gibt; ansonsten eine eigene, unterschriebene Erklärung, dass keine Verbindlichkeiten bestehen
Ist noch jemand da? Bürgschaft, Kautionsversicherung oder ein Mietkautionskonto mit erhöhter Sicherheit im gesetzlichen Rahmen

Vier Papiere statt einem. Genau so sollst du es auch präsentieren: als vollständigen Ersatz, nicht als Entschuldigung.

Der Satz, der alles verändert

Der größte Fehler ist das Weglassen. Eine Bewerbung ohne Bonitätsauskunft und ohne Kommentar landet auf dem Stapel „später“ – und später kommt nicht.

Schreib stattdessen offensiv und in einer Zeile, oben in der Mappe:

Eine SCHUFA-Auskunft liegt nicht vor, weil ich erst seit kurzer Zeit in Deutschland gemeldet bin. Ersatzweise finden Sie im Anhang: Arbeitsvertrag, Vermieterbestätigung meines bisherigen Vermieters, Kontoauszüge der letzten drei Monate und eine Bürgschaftserklärung.

Das ist kein Bittstellersatz. Das ist eine Inhaltsangabe. Wer eine Inhaltsangabe liefert, wird gelesen.

Was du trotzdem beantragen solltest

Auch wenn deine Historie kurz ist: Beantrage die kostenlose Datenkopie und prüf, was gespeichert ist. Manchmal existiert doch schon ein Datensatz, etwa über ein Konto oder einen Mobilfunkvertrag. Dann ist die Sache einfacher, als du denkst. Welche Variante Vermieter sehen dürfen und welche du besser nicht verschickst, steht in welche Auskunft der Vermieter bekommt und so bekommst du die Datenkopie.

Wenn dein Vorvermieter im Ausland sitzt

Eine Bestätigung aus dem Herkunftsland ist mehr wert, als die meisten glauben. Sie muss nicht amtlich sein. Es reicht ein kurzes Schreiben mit Briefkopf oder Unterschrift, in dem steht: Mietzeit von wann bis wann, Miete in Höhe von X, Zahlungen pünktlich, keine offenen Forderungen. Leg das Original und eine deutsche Zusammenfassung dazu.

Hast du gar keinen Vorvermieter – weil du bei Familie gewohnt hast oder in einem Wohnheim –, hilft was du machst, wenn es keine Vorvermieterbescheinigung gibt.

Sicherheiten: was geht, was nicht

Die Kaution ist gesetzlich auf drei Nettokaltmieten begrenzt. Angebote, „ein halbes Jahr im Voraus“ zu zahlen, werden von seriösen Vermietern meist abgelehnt, und sie machen dich außerdem angreifbar. Was dagegen funktioniert:

  • Bürgschaft einer Person mit deutschem Einkommen. Eltern, Verwandte, manchmal der Arbeitgeber. Wie das aussieht, steht in die Elternbürgschaft.
  • Kautionsbürgschaft über einen Anbieter. Kostet laufend Geld, schont aber dein Konto beim Einzug. Details in die Mietkautionsbürgschaft.
  • Arbeitgeberbestätigung. Ein Schreiben der Firma, dass du unbefristet angestellt bist und ab wann. Bei internationalen Arbeitgebern oft einfacher zu bekommen als gedacht.

Wie du die Mappe aufbaust, damit sie funktioniert

Die Reihenfolge entscheidet darüber, ob überhaupt weitergeblättert wird. Ein Vermieter öffnet dein PDF und sieht die erste Seite. Was dort steht, entscheidet über den Rest.

Blatt im Scanner: So baust du die Mappe auf, wenn du eine Wohnung ohne Bonitätsauskunft suchst
Eine Datei, eine klare Reihenfolge, eine Seite Erklärung obenauf.

Setz deshalb ganz nach vorn ein Deckblatt mit fünf Zeilen: wer ihr seid, wie viele Personen, ab wann, was du beruflich machst, und der Hinweissatz zur fehlenden Auskunft mit der Aufzählung der Ersatzpapiere. Dahinter kommen die Papiere in genau dieser Reihenfolge – und zwar so, wie du sie oben angekündigt hast. Wer eine Ankündigung macht und sie dann einhält, erzeugt in wenigen Sekunden das Gefühl, dass mit dieser Person alles glattlaufen wird.

Ein Detail aus der Praxis, das erstaunlich viel ausmacht: Benenne die Dateien nicht „Scan_001“, sondern nutze eine einzige Datei mit sprechendem Namen, etwa „Bewerbung_Mustermann_2Personen.pdf“. Zwölf Einzelanhänge wirken wie Arbeit, eine sortierte Datei wirkt wie eine fertige Akte. Mehr dazu in die Bewerbung als PDF.

Drei Fehler, die ich immer wieder sehe

  • Die lange Erklärung. Ein Absatz darüber, wie das Bonitätssystem in Deutschland funktioniert und warum es dich benachteiligt. Das lese ich nicht. Ein Satz plus Anlagen reicht.
  • Das Nachreichen. „Die Unterlagen sende ich gerne nach.“ In einem Markt mit vierzig Bewerbern heißt das: nie. Alles muss in der ersten Mail dabei sein, auch das Unfertige.
  • Der Übersetzungsstapel. Fünf fremdsprachige Dokumente ohne ein Wort Deutsch daneben. Was niemand lesen kann, zählt wie ein leeres Feld. Eine halbe Seite Zusammenfassung löst das.

Wo deine Chancen am besten sind

Nicht jeder Vermietertyp reagiert gleich. Große Verwaltungen arbeiten mit festen Checklisten, in denen das Feld „SCHUFA“ eben ausgefüllt sein muss. Kleine private Vermieter entscheiden nach Gespräch und Gesamteindruck und können von der Liste abweichen. Firmen, die Mitarbeitende aus dem Ausland beschäftigen, kennen das Thema oft aus eigener Erfahrung. Der Unterschied zwischen beiden Welten steht in Hausverwaltung oder privater Vermieter.

Kurz zusammengefasst

Eine fehlende Bonitätsauskunft ist kein Makel, sondern eine Lücke in der Papierform. Beantworte die vier Fragen, die dahinterstehen, direkt: laufendes Einkommen, bisherige Mietzahlungen, keine Schulden, zusätzliche Sicherheit. Sag in einem Satz, warum die Auskunft fehlt, und liste die Ersatzpapiere auf. Beantrage trotzdem die Datenkopie. Und such gezielt dort, wo Menschen entscheiden und nicht Formulare.

Zum Einordnen

Dieser Text beschreibt allgemeine Abläufe und typische Regeln am Mietmarkt. Er bewertet keinen Einzelfall. Wenn es bei dir um konkrete Ansprüche geht, lass das von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen.

Du willst das nicht jedes Mal neu bauen?

15 fertige Anschreiben, die Selbstauskunft und alle Checklisten.

Die Zusage-Vorlagen — 19 € Einmalzahlung. Kein Abo. Sofort verfügbar.

Das passt dazu

Cookie-Einstellungen ändern