Bonität und Nachweise

Datenkopie oder BonitätsCheck: was gehört zur Bewerbung?

Die eine ist kostenlos, die andere kostet Geld — und trotzdem gehört nur eine davon in die Bewerbungsmappe. Der Vergleich erklärt, warum das so ist und was du tun kannst, wenn das Geld knapp ist.

Von Christian Gottschling, Immobilienmakler in Essen · Aktualisiert am 27.09.2026

Das kostenlose Dokument enthält mehr Informationen. Das kostenpflichtige enthält weniger. Und ausgerechnet das mit den weniger Informationen ist das richtige für deine Bewerbung.

Das klingt verdreht. Es ergibt aber Sinn, sobald man versteht, wofür die beiden Papiere gemacht sind.

Blatt im Scanner: Ob BonitätsCheck oder Datenkopie in die Mappe gehört, entscheidet sich vor dem Absenden
Beide Papiere kommen von derselben Stelle. Nur eines ist für den Vermieter gemacht.

Der Vergleich auf einen Blick

Datenkopie BonitätsCheck
Kosten kostenlos kostenpflichtig
Rechtsgrundlage Auskunftsrecht aus der DSGVO Produkt der SCHUFA
Gedacht für dich selbst Weitergabe an Dritte
Konten und Kredite ja, im Detail nein
Anfragen anderer Firmen ja nein
Verlauf der Scorewerte ja nein
Aussage zu Negativmerkmalen ja, im Detail ja, zusammengefasst
Blatt zum Weitergeben nein ja

Warum die kostenlose Variante nicht in die Mappe gehört

Stell dir vor, du legst mir deine Datenkopie hin. Ich sehe dann nicht nur, ob du Rechnungen bezahlst. Ich sehe, bei welcher Bank du bist. Wie viele Karten du hast. Ob du gerade einen Kredit abbezahlst und wie hoch er war. Ob du in den letzten Monaten mehrfach Kreditanfragen gestellt hast. Und wie sich deine Einstufung entwickelt hat.

Nichts davon brauche ich, um zu beurteilen, ob du die Miete zahlen kannst. Ein Vermieter darf nur die Daten verlangen, die für den Mietvertrag wirklich nötig sind. Die vollständige Datenkopie geht weit darüber hinaus.

Das schützt dich. Aber es funktioniert nur, wenn du es auch nutzt. Wer sein Röntgenbild freiwillig auf den Tisch legt, kann sich hinterher schlecht beschweren, dass hineingesehen wurde.

Lupe auf einem Ausdruck: Die kostenlose Datenkopie zeigt mehr, als ein BonitätsCheck zeigen soll
Die Datenkopie ist für dich. Sie gehört nicht in fremde Hände.
Der Denkfehler

„Ich habe nichts zu verbergen, also nehme ich das kostenlose Dokument.“ Verständlich, aber es hilft dir nicht. Mehr Daten heißt mehr Angriffsfläche für Rückfragen und Zweifel, und billiger wird deine Bewerbung dadurch nicht.

Was das kostenpflichtige Dokument besser macht

Der BonitätsCheck besteht aus zwei Teilen. Einen behältst du. Das zweite Blatt ist zum Weitergeben gemacht und enthält nur die zusammengefasste Aussage.

Für dich heißt das: Du beantwortest die Frage des Vermieters vollständig, ohne dein Finanzleben offenzulegen. Genau dafür ist das Papier gebaut.

Für mich als Makler heißt es: Ich sehe die eine Information, die ich tatsächlich brauche, und kann weiterblättern. Das ist kein kleiner Vorteil, wenn zwölf Mappen auf dem Tisch liegen.

Ich will dich nicht in die teure Variante drängen

Das muss ich deutlich sagen, weil zu diesem Thema viel Unsinn verbreitet wird.

Es gibt keine Pflicht, ein kostenpflichtiges Dokument zu kaufen. Niemand kann dich dazu zwingen. Und eine Bewerbung ohne dieses Blatt ist nicht automatisch verloren.

Genauso wenig ist die kostenlose Datenkopie „die richtige zum Weitergeben, nur eben gratis“. Sie ist schlicht für einen anderen Zweck gemacht.

Wenn das Geld gerade knapp ist, gibt es Wege dazwischen.

  • Hol dir zuerst die kostenlose Datenkopie und lies sie. Du weißt dann, ob überhaupt etwas drinsteht, das erklärt werden muss.
  • Bereite die Unterlagen vor, die nichts kosten: Einkommensnachweis, Ausweis, eine saubere Selbstauskunft, eine Erklärung zur Mietschuldenfreiheit.
  • Sag offen, dass du die Bonitätsauskunft nachreichst, und nenne einen konkreten Tag. Halte den Tag dann ein.
  • Kauf das Weitergabe-Dokument erst, wenn es ernst wird. Einmal gekauft, kannst du es für mehrere Bewerbungen nutzen, solange es aktuell ist.

Was ich in der Praxis sehe

Drei Muster wiederholen sich bei mir auf dem Schreibtisch.

Der Komplettausdruck. Zehn Seiten Datenkopie, getackert, oft mit Kaffeerand. Das wirkt nicht fleißig, sondern unsortiert, und es macht die Mappe schwer lesbar.

Das halbe Blatt. Jemand hat den BonitätsCheck gekauft, aber nur die erste Seite kopiert, auf der nichts Verwertbares steht. Dann muss ich nachfragen, und das kostet beide Seiten Zeit.

Der saubere Fall. Ein Blatt, aktuell, richtiger Name, dazu der Einkommensnachweis. Das ist in zehn Sekunden erledigt, und ich bin schon bei der nächsten Frage. Genau diese zehn Sekunden willst du.

Und die anderen Auskunfteien?

CRIF Boniversum, Creditreform und infoscore arbeiten nach demselben Prinzip. Eine kostenlose Selbstauskunft für dich, teils ein kostenpflichtiges Dokument für die Weitergabe.

Wenn in der Anzeige ein bestimmter Anbieter genannt wird, nimm genau diesen. Steht dort nur „Bonitätsauskunft“, ist die SCHUFA-Variante der unkomplizierteste Weg, weil sie jeder Vermieter kennt.

Welche Varianten es insgesamt gibt, findest du in der Übersicht welche Variante du brauchst. Wie du die kostenlose Datenkopie anforderst, steht hier Schritt für Schritt.

Was in der Bewerbung sonst noch mitgeliefert wird

Die Bonitätsauskunft steht nie allein. Sie ist ein Baustein, und alleine sagt sie wenig aus.

Ein sauberes Blatt ohne Einkommensnachweis beantwortet die entscheidende Frage nicht: Reicht dein Geld dauerhaft für diese Miete? Umgekehrt kann ein gutes Einkommen einen frischen Negativeintrag abmildern, aber nicht wegzaubern.

Was in der Praxis zusammengehört:

  • die ausgefüllte Selbstauskunft, vollständig und lesbar
  • die letzten Gehaltsabrechnungen, in der üblichen Anzahl
  • die Bonitätsauskunft in der Weitergabe-Variante
  • eine Ausweiskopie, sinnvoll geschwärzt
  • bei Bedarf eine Erklärung zur Mietschuldenfreiheit

Wie viele Abrechnungen üblich sind, steht unter wie viele Gehaltsabrechnungen der Vermieter sehen will. Und ob dein Einkommen zur Miete passt, rechnest du mit der Drittel-Regel selbst nach, bevor es jemand anders tut.

Ein Dokument, mehrere Bewerbungen

Ein Einwand, den ich oft höre: „Soll ich das jetzt für jede Wohnung neu kaufen?“

Nein. Solange das Dokument aktuell ist, kannst du es mehrfach verwenden. Mach dir gleich mehrere saubere Kopien oder eine gut lesbare Datei daraus, dann bist du bei der nächsten Besichtigung sofort sprechfähig.

Was du nicht tun solltest: ein Jahr altes Blatt immer weiterreichen. Das fällt auf, weil das Datum draufsteht, und es wirkt genau so, wie es ist.

Wenn eine Anzeige „SCHUFA-Auskunft“ verlangt

Dieser Satz steht in vielen Anzeigen und er meint fast immer dasselbe: eine Aussage darüber, ob Negativmerkmale vorliegen. Nicht deine Akte.

Du kannst das gelassen sehen. Wer ein Weitergabe-Dokument mitbringt, hat die Anforderung erfüllt. Niemand wird dich auffordern, stattdessen deine vollständige Datenkopie nachzureichen — und wenn doch, darfst du nachfragen, wofür die zusätzlichen Angaben gebraucht werden.

Genauso gelassen kannst du mit Formularen umgehen, die pauschal eine Einwilligung zur Abfrage bei Auskunfteien enthalten. Du darfst sie lesen, du darfst nachfragen, und du darfst Teile streichen, die über den Zweck hinausgehen. In der Praxis kostet dich das selten die Wohnung, aber es schützt deine Daten.

Kurz zusammengefasst

  • Die Datenkopie ist kostenlos, aber zu ausführlich für fremde Augen.
  • Der BonitätsCheck kostet Geld und ist genau für die Weitergabe gebaut.
  • Ein Vermieter darf die vollständige Datenkopie nicht verlangen.
  • Pflicht ist das kostenpflichtige Dokument nicht. Nachreichen mit festem Termin ist eine ehrliche Lösung.
  • Erst lesen, dann entscheiden, dann kaufen — in dieser Reihenfolge sparst du Geld und Nerven.
Zum Einordnen

Dieser Text erklärt allgemeine Regeln für alle Leser. Er bewertet nicht deinen einzelnen Fall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 23.09.2026.

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