Selbstauskunft von Gesellschaft, Makler oder Privatvermieter
Warum die drei Formulartypen völlig verschiedene Entscheidungswege abbilden und wie du jeden Bogen so ausfüllst, dass er dort ankommt, wo entschieden wird.
Drei Bewerbungen in einer Woche, drei völlig verschiedene Formulare. Bei der städtischen Gesellschaft ein sechsseitiges PDF mit Anlagenverzeichnis. Beim Makler ein knackiges Ein-Seiten-Blatt mit einer Einwilligungsklausel im Kleingedruckten. Beim privaten Vermieter gar kein Formular, nur die Bitte, „mal die Unterlagen zu schicken“.
Es sieht aus wie dasselbe Thema in drei Varianten. Ist es nicht. Dahinter stehen drei grundverschiedene Entscheidungswege — und wer sie kennt, füllt jeden Bogen anders aus.

Warum die Formulare sich so stark unterscheiden
Der Unterschied liegt nicht im Geschmack. Er liegt darin, wer am Ende entscheidet und wie viele Bewerbungen diese Person pro Woche sieht.
Eine Wohnungsgesellschaft mit tausenden Einheiten muss vergleichbar entscheiden. Vergleichbar heißt: nach Kriterien, die man in eine Maske tippen kann. Ein privater Vermieter mit einer einzigen Einliegerwohnung entscheidet dagegen nach Bauchgefühl — er wohnt selbst im Haus und sucht keinen Datensatz, sondern einen Menschen, mit dem er im Treppenhaus zurechtkommt.
Der Makler sitzt dazwischen. Er entscheidet nicht selbst, er bereitet vor. Sein Formular ist deshalb auf etwas anderes ausgerichtet als auf die Entscheidung: auf die saubere Vorlage beim Eigentümer.
Die Wohnungsgesellschaft: das Formular ist eine Maske
Bei kommunalen Gesellschaften und großen Bestandshaltern ist die Selbstauskunft meistens lang, eher unpersönlich und oft mit einem Anlagenverzeichnis versehen, das abgehakt wird.
Was du wissen musst:
- Vollständigkeit schlägt Sympathie. Die Vorprüfung macht häufig eine Sachbearbeitung, die nicht entscheidet, sondern sortiert. Ein fehlendes Blatt ist dort ein Ausschlussgrund, bevor überhaupt jemand liest.
- Es gibt feste Regeln, die nicht verhandelbar sind. Einkommensgrenzen, Belegungsrechte, Wohnberechtigungsschein. Wenn du die Voraussetzung nicht erfüllst, hilft kein gutes Anschreiben. Siehe Der Wohnberechtigungsschein.
- Das Anschreiben wird kürzer gelesen. Deine Energie gehört in die Vollständigkeit der Anlagen, nicht in die Prosa.
- Die Daten bleiben länger im System. Häufig gibt es eine Vormerkung oder Warteliste, auf der du stehen bleibst. Das ist ein Vorteil — du willst dort nur wissen, dass du drauf bist.
Praktische Folge: Bei Gesellschaften arbeitest du das Anlagenverzeichnis wie eine Checkliste ab, Punkt für Punkt, in der angegebenen Reihenfolge. Wie diese Reihenfolge aussieht, steht in Die Bewerbungsmappe für die Wohnung.

Der Makler: das Formular ist eine Vorlage für jemand anderen
Ein Maklerbogen ist kürzer und wirkt zugänglicher. Das täuscht. Er hat zwei Besonderheiten, die du kennen solltest.
Erstens: Die Entscheidung fällt woanders. Ich sortiere vor und lege dem Eigentümer zwei oder drei Mappen hin. Das heißt für dich: Deine Unterlagen müssen so gebaut sein, dass sie ohne mich funktionieren. Alles, was du mir mündlich bei der Besichtigung erzählst, kommt beim Eigentümer nur an, wenn es auch auf dem Papier steht.
Zweitens: Das Kleingedruckte unter der Unterschrift. Bei Maklerformularen steht dort häufiger als anderswo eine Einwilligungsklausel. Zwei Varianten kommen regelmäßig vor:
- Eine Einwilligung in die Abfrage bei einer Auskunftei.
- Eine Einwilligung, dich in eine Interessentenkartei aufzunehmen und für weitere Objekte zu kontaktieren.
Beides darfst du streichen. Streichen heißt: durchstreichen, danebenschreiben, dass du dem nicht zustimmst, und mit Kürzel versehen. Das ist keine Provokation, das ist normal — und es kostet dich in aller Regel nichts. Die Daten darf der Makler ohnehin nur für dieses eine Objekt verwenden.
Ob du überhaupt unterschreiben musst, steht in Musst du die Selbstauskunft überhaupt ausfüllen.

Der private Vermieter: es gibt kein Formular, und das ist die Chance
Hier kommt oft nur ein Satz: „Schicken Sie mir mal, was Sie haben.“ Viele Bewerber verstehen das als Entwarnung. Es ist das Gegenteil — es ist die größte Gelegenheit im ganzen Verfahren.
Denn wenn niemand die Reihenfolge vorgibt, gibst du sie vor. Du bestimmst, was als Erstes gelesen wird, was betont wird und was gar nicht erst auftaucht. Wer hier eine saubere, selbst gebaute Mappe schickt, sieht neben den anderen aus wie aus einer anderen Liga.
Bau sie so:
- Ein kurzes Anschreiben, das zur Wohnung passt und nicht nach Serienbrief klingt.
- Eine selbst erstellte Selbstauskunft auf einer Seite, nur mit den zulässigen Angaben.
- Einkommensnachweise, geschwärzt.
- Bonitätsauskunft.
- Mietschuldenfreiheitsbescheinigung oder Vorvermieterbescheinigung.
Der Unterschied zwischen Hausverwaltung und Privatvermieter im Ton ist ein eigenes Thema: Anschreiben an die Hausverwaltung oder an den privaten Vermieter.
Die drei Wege im direkten Vergleich
| Wohnungsgesellschaft | Makler | Privatvermieter | |
|---|---|---|---|
| Wer entscheidet | nach festen Kriterien | der Eigentümer, nach Vorauswahl | die Person selbst |
| Formular | lang, mit Anlagenverzeichnis | kurz, mit Kleingedrucktem | oft keines |
| Worauf es ankommt | Vollständigkeit | Mappe, die ohne dich funktioniert | Aufbau und Ton |
| Anschreiben | kurz halten | mittel, sachlich | wichtigster Teil |
| Kleingedrucktes | Datenschutzhinweis, meist sauber | Einwilligungen prüfen und streichen | meist gar keines |
| Nach der Absage | Vormerkung kann bleiben | Löschung aktiv anstoßen | Löschung aktiv anstoßen |
Wie das Sortieren auf der anderen Seite in allen drei Konstellationen abläuft — und wie du deine Mappe daran ausrichtest — steckt im Kurs für 79 Euro, einmalig und ohne Abo.
Was in jedem der drei Fälle gleich bleibt
So verschieden die Formulare sind: Die Grenze, was gefragt werden darf, verschiebt sich dadurch nicht. Eine Wohnungsgesellschaft darf genauso wenig nach deiner Religion fragen wie ein privater Vermieter. Ein sechsseitiges Formular wird nicht dadurch zulässiger, dass es amtlich aussieht.
Und noch etwas bleibt gleich: In allen drei Fällen sind es dieselben vier Angaben, nach denen zuerst gesucht wird — Nettoeinkommen, Personenzahl, Einzugstermin, Haustiere. Wer die vier sofort auffindbar macht, ist überall im Vorteil.
Und wenn du drei Formulare gleichzeitig ausfüllst?
Dann lohnt sich ein Stammblatt. Leg dir einmal ein Dokument an, in dem alle Angaben stehen, die immer wieder gebraucht werden: Arbeitgeber, Eintrittsdatum, Nettoeinkommen der letzten drei Monate, Personenzahl mit Alter, gewünschter Einzugstermin, Haustiere, bisheriger Vermieter mit Anschrift.
Daraus füllst du jedes Formular in wenigen Minuten ab — und, fast wichtiger, immer identisch. Widersprüche zwischen zwei Bögen bei derselben Verwaltung fallen auf und sind schwer zu erklären. Wie eine Selbstauskunft Feld für Feld aussieht, steht in Mieterselbstauskunft ausfüllen.
Kurz zusammengefasst
- Drei Formulartypen, drei verschiedene Entscheidungswege — stell dich auf den jeweiligen ein.
- Gesellschaft: Vollständigkeit vor allem, Anlagenverzeichnis wie eine Checkliste abarbeiten.
- Makler: Die Mappe muss ohne dich funktionieren. Kleingedrucktes unter der Unterschrift prüfen und Einwilligungen streichen.
- Privatvermieter: kein Formular heißt, du bestimmst Reihenfolge und Ton. Das ist ein Vorteil, kein Freifahrtschein.
- Was gefragt werden darf, ändert sich durch die Form des Bogens nicht.
- Ein eigenes Stammblatt spart Zeit und verhindert Widersprüche zwischen mehreren Bewerbungen.
Dieser Text erklärt allgemeine Regeln für alle Leser. Er bewertet nicht deinen einzelnen Fall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Stand: 24.09.2026.
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