Staffelmiete berechnen: eine Beispielrechnung über fünf Jahre
Zwei Wohnungen, zwei Staffeln, eine überraschende Summe. So rechnest du in zehn Minuten aus, was dich eine Staffelmiete wirklich kostet.
Die meisten Menschen vergleichen zwei Wohnungen über die erste Zahl: 780 Euro gegen 820 Euro. Die günstigere gewinnt. So ist das Gehirn gebaut.
Bei einer Staffelmiete ist das der teuerste Denkfehler, den du machen kannst. Denn die erste Zahl ist die einzige, die dich fast nichts angeht. Hier ist die Rechnung, die stattdessen zählt, mit echten Zahlen und einem Ergebnis, das viele überrascht.

Was du für die Rechnung brauchst
- Die vollständige Staffelübersicht: welcher Betrag ab welchem Datum. Frag danach vor der Besichtigung.
- Die Betriebskosten-Vorauszahlung.
- Deine geplante Wohndauer. Und zwar ehrlich, nicht optimistisch.
Mehr nicht. Wie die Staffelmiete rechtlich funktioniert, steht in Staffelmiete: wie sie funktioniert.
Beispiel eins: eine Staffel über fünf Jahre
Nehmen wir eine Wohnung mit 780 Euro Kaltmiete und einer Staffel von 30 Euro pro Jahr. Die Betriebskosten-Vorauszahlung liegt bei 180 Euro.
| Jahr | Kaltmiete | Warmmiete | Kalt im Jahr |
|---|---|---|---|
| 1 | 780 € | 960 € | 9.360 € |
| 2 | 810 € | 990 € | 9.720 € |
| 3 | 840 € | 1.020 € | 10.080 € |
| 4 | 870 € | 1.050 € | 10.440 € |
| 5 | 900 € | 1.080 € | 10.800 € |
Fünf Jahre kalt zusammen: 50.400 Euro. Ohne Staffel, also bei durchgehend 780 Euro, wären es 46.800 Euro gewesen. Die Staffel kostet dich in diesen fünf Jahren also 3.600 Euro.
Und die zweite Zahl, die wichtiger ist: Deine Kaltmiete steigt von 780 auf 900 Euro. Das sind gut fünfzehn Prozent in vier Schritten. Dein Gehalt müsste in derselben Zeit ähnlich steigen, damit sich für dich nichts ändert.
Beispiel zwei: zwei Angebote im direkten Vergleich
Jetzt der Vergleich, der zeigt, warum die Einstiegsmiete so wenig aussagt.
Wohnung A: 780 Euro Start, Staffel 30 Euro pro Jahr.
Wohnung B: 820 Euro Start, Staffel 10 Euro pro Jahr.
| Jahr | Wohnung A | Wohnung B |
|---|---|---|
| 1 | 780 € | 820 € |
| 2 | 810 € | 830 € |
| 3 | 840 € | 840 € |
| 4 | 870 € | 850 € |
| 5 | 900 € | 860 € |
| Summe kalt | 50.400 € | 50.400 € |
Nach fünf Jahren hast du in beiden Wohnungen exakt gleich viel gezahlt. Die Wohnung, die im Inserat vierzig Euro billiger aussah, war keinen Cent günstiger.
Und im sechsten Jahr? Wohnung A wäre bei 930 Euro, Wohnung B bei 870. Ab da wird A jedes Jahr teurer. Wer lange bleiben will, fährt mit B deutlich besser, obwohl B im Inserat schlechter aussah.
Nicht die erste Staffel entscheidet, sondern die letzte. Wenn du wissen willst, ob du dir eine Wohnung leisten kannst, rechne mit dem Betrag, den du im letzten Jahr deiner geplanten Wohndauer zahlst. Alles davor ist Rabatt auf Zeit.
Der Schritt, den fast alle vergessen: die Betriebskosten
Die Staffel regelt nur die Kaltmiete. Die Betriebskosten laufen daneben weiter und steigen erfahrungsgemäß ebenfalls, besonders bei Energie und kommunalen Abgaben.

Rechne deshalb einen Sicherheitsaufschlag mit. In der Beispielwohnung mit 180 Euro Vorauszahlung wären zehn Prozent Aufschlag pro Jahr grob so:
| Jahr | Kalt | Betriebskosten grob | Warm |
|---|---|---|---|
| 1 | 780 € | 180 € | 960 € |
| 3 | 840 € | 218 € | 1.058 € |
| 5 | 900 € | 264 € | 1.164 € |
Aus 960 Euro werden 1.164 Euro. Das sind gut zweihundert Euro mehr im Monat als bei deinem Einzug. Der Aufschlag ist eine Annahme, keine Prognose. Aber mit null zu rechnen ist mit Sicherheit falsch.
Der Abgleich mit deinem Einkommen
Viele Vermieter arbeiten mit der Faustregel, dass die Warmmiete etwa ein Drittel des Nettohaushaltseinkommens nicht übersteigen soll. Das ist kein Gesetz, aber eine verbreitete Schwelle, und sie gilt auch für dich als Belastungsgrenze. Mehr dazu in der Drittel-Regel.
In unserem Beispiel heißt das:
- Jahr eins, Warmmiete 960 Euro: rechnerisch rund 2.880 Euro netto nötig.
- Jahr fünf, Warmmiete 1.164 Euro: rechnerisch rund 3.492 Euro netto nötig.
Das ist die Zahl, die dir wirklich sagt, ob die Wohnung zu dir passt. Nicht die 780 Euro aus dem Exposé.
So rechnest du es selbst, in zehn Minuten
- Schreib die Staffelbeträge untereinander, ein Jahr pro Zeile.
- Addiere pro Zeile die Betriebskosten-Vorauszahlung mit einem Aufschlag von etwa zehn Prozent pro Jahr.
- Markiere das Jahr, in dem du voraussichtlich noch dort wohnst. Das ist deine Entscheidungszahl.
- Multipliziere diese Warmmiete mit drei. Das ist das Nettoeinkommen, das du dann brauchst.
- Vergleiche zwei Angebote nicht über Jahr eins, sondern über die Gesamtsumme deiner geplanten Wohndauer.
Zwei Dinge, die die Rechnung kippen können
Ein Kündigungsverzicht. Wenn du vier Jahre nicht kündigen darfst, kannst du der Staffel auch nicht ausweichen. Prüfe das immer zusammen, siehe Kündigungsverzicht im Mietvertrag.
Die Mietpreisbremse. In Gebieten, in denen sie gilt, muss jede einzelne Staffel die zulässige Grenze einhalten. Es kann also sein, dass die hinteren Staffeln überhöht sind. Ob das bei dir der Fall ist, kann nur ein Mieterverein oder eine Anwältin beurteilen.
Ob Staffel oder Index für dich besser ist, klärt der direkte Vergleich.
Kurz zusammengefasst
- Vergleiche Staffelmieten nie über die Einstiegsmiete, sondern über die Summe deiner Wohndauer.
- Entscheidend ist die letzte Staffel, die dich noch trifft.
- Rechne die Betriebskosten mit einem Aufschlag dazu, die Staffel deckt sie nicht ab.
- Multipliziere die Warmmiete deines letzten Jahres mit drei. So siehst du, ob die Wohnung langfristig passt.
- Prüfe Staffel und Kündigungsverzicht immer gemeinsam.
Dieser Text erklärt allgemeine Regeln für alle Leser. Er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Prüfung durch eine dafür zugelassene Stelle. Ob eine Klausel in deinem Vertrag wirksam ist, können nur ein Mieterverein oder eine Anwältin beziehungsweise ein Anwalt für Mietrecht beurteilen. Stand: 24.09.2026.
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